Marty Staff Der Bilanzschneider
Am 13. Mai flog der neue Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer höchstpersönlich nach New York, um seinen Statthalter Marty Staff zu feuern. Das Loch in der Bilanz der US-Tochter in Höhe von rund sechs Millionen Euro war nicht mehr zu übertünchen, Konsequenzen unvermeidlich.
Die Mitarbeiter in der New Yorker Dependance und auch die amerikanischen Boss-Händler atmeten auf, denn das Geschäftsgebaren von Staff hatte ihnen jede Menge Ärger beschert. Ihnen hatte der geschasste US-Chef über Jahre hinweg systematisch mehr Waren in die Läden geschickt, als sie eigentlich bezahlen und verkaufen konnten. Damit blähte er die Umsätze von Hugo Boss künstlich auf. Staff hatte zwar versprochen, die unverkäuflichen Hemden, Anzüge oder Schuhe zurückzunehmen, doch später ließ er die Händler eiskalt abblitzen.
Für Staff selbst brachte die Aufblähung des Umsatzes entscheidende Vorteile. Sein Vertrag sieht bei einem geschätzten Grundgehalt von rund einer Million Euro pro Jahr, wie in der Branche üblich, Boni für Umsatz- und Gewinnsteigerungen vor. Durch die überbordenden Lieferungen konnte der Manager sein Gehalt offenbar um ein Mehrfaches steigern.
Als die Lage in der US-Zentrale jetzt kritisch wurde, weil die zu viel gelieferte Ware aus allen Landesteilen zurückkam und wichtig Geschäftspartner ihre Verträge kündigten, zog Sälzer die Notbremse. Die Quittung kennt er schon: Am Tag der Abrechnung musste Hugo Boss seinen US-Umsatz 2001 um sechs Millionen nach unten korrigieren.