Maut-Desaster Telekom-Vorstand gibt auf
Bonn - "Da sein Name untrennbar verbunden ist mit der Angelegenheit Maut/Toll Collect, hat sich Herr Josef Brauner entschlossen, sein Amt als Vorstand T-Com der Deutsche Telekom AG zum 30. April 2004 niederzulegen", teilte die Telekom heute in Bonn mit. Brauner hatte für den Konzern die Verhandlungen rund um die Lkw-Maut geführt.
Das Maut-Projekt werde künftig vom Chef der Telekom-Systemhaus-Tochter T-Sytems, Konrad Reiss, geleitet. T-Com liefert mit zahlreichen Beteiligungen in Osteuropa den Großteil des Gewinns und des Umsatzes des größten europäischen Telekom-Unternehmens.
Kommissarischer Nachfolger für das Deutschland-Geschäft der Festnetz-Sparte wird nach den Angaben der Telekom Vorstandschef Kai-Uwe Ricke, das Auslandsgeschäft werde vorübergehend Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick übernehmen.
Der 54-jährige Brauner war seit knapp sieben Jahren bei der Deutschen Telekom. Den Festnetzbereich leitete er seit Mai 2001. Vor seiner Zeit bei der Telekom war der Manager unter anderem bei Sony tätig. Nach Angaben des Sprechers wird Brauner die Telekom im ausländischen Festnetzgeschäft beraten.
Das unter Toll Collect firmierende Maut-Projekt sollte ursprünglich Ende August 2003 starten und dem Bund monatlich Einnahmen von rund 160 Millionen Euro sichern. Wegen zahlreicher technischer Pannen wird sich das satellitengestützte Bezahl- und Abrechnungssystem jedoch bis Anfang 2005 verzögern. Dann soll eine abgespeckte Variante starten, die Vollversion soll ein Jahr später folgen.
Die Bundesregieerung hatte dem Industriekonsortium Toll Collect mit der Kündigung des Betreibervertrages für die Lkw-Maut gedroht. In einem Spitzengespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einigten sich die Toll-Collect-Partner Ende Februar jedoch auf eine Fortsetzung der Verträge.
An Toll Collect ist die Telekom wie DaimlerChrysler mit 45 Prozent beteiligt, der französische Autobahnbetreiber Cofiroute hält die restlichen zehn Prozent.