Me Myself & Eye: Mit Petting an die Börse - DER SPIEGEL
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Me Myself & Eye Mit Petting an die Börse

Die TV- und Internet-Produktionsfirma Me Myself & Eye (MME) will an die Börse. "Peep!", "Bravo TV" und viel Wachstumsphantasie sollen helfen, mehr traute man sich nicht zu sagen.
Von Carsten Matthäus
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Informationen zum Börsengang begannen mit frischgepressten Säften und einen Clip. Spitze Schreie von Zwölfjährigen, zuckende Stars, dazwischen immer wieder nackte Haut zum Anheizen. Jugend ist Musik und Erotik, ist Clip und Kommerz, so die einfache Welt von MME. Am Anfang waren "Peep!" und "Bravo TV", dann kam das "Inselduell" und das ganze wird nun neu aufgekocht in "Girlscamp", einer "Big Brother"-Kopie mit nur Mädchen drin.

Auch Erotikdarstellerin Gina Wild werde mit der eigenen Sendung "Wildlife" auf den Markt kommen und für viel Aufwärtsbewegung sorgen, so der Vorstandsvorsitzende Stefan Eishold. Der 36-jährige Eishold, der viel von Substanz und Wachstumsphantasie redet, hält MME für den "Marktführer im Trendsegment der Jugend-Musikformate im Fernsehen". Das mit dem Marktführer erklärt er so: "Es gibt Viva und MTV und es gibt alle anderen. Bei allen anderen sind wir vorne".

Aber es gibt ja auch noch die Wachstumsphantasie und das klingt schon besser: Die 14- bis 29-Jährigen, die Creme der Konsumkids also, sollen immer schön in der MME-Welt hängen bleiben. Teenies bekommen die Internetseite zu "Bravo TV" und werden von dort in das eigene Musikportal eyedoo.de  gelockt. Hier will MME dann richtig Kasse machen mit CD-, Ticket- und Devotionalienverkauf. Desgleichen bei "The Dome", "Top of the Pops" und VH1. Gefüttert wird diese Phantasie von dem größten deutschen Musikvideoarchiv mit 25.000 Clips.

Wie genau sich diese Wachstumsphantasie in Zahlen niederschlagen soll, das wollte oder konnte Eishold nicht sagen. 2000 werde man wohl mit Verlust abschließen, aber 2001 werde es schwarze Zahlen geben, versicherte Eishold. Auf die Frage, wie das Ergebnis 1999 ausgefallen sei, schwieg er beharrlich. Man wolle ja nur noch in die Zukunft blicken. Der Umsatz werde jedes Jahr um etwa 25 Prozent steigen, sagte er weiter. Von 1999 auf 2000 wird dieser aber nur von 45 Millionen auf 50 Millionen steigen, so die etwas konkretere Erwartung.

Nach dem Gang an die Börse soll dann alles anders werden: Die Commerzbank und zwei weitere Finanzinstitute werden MME an die Börse führen, wobei über eine Kapitalerhöhung 25 Prozent bis 30 Prozent des Aktienkapitals in Streubesitz kommen sollen. Auch eine Beteiligung der derzeit 175 Mitarbeiter sei geplant. Das Grundkapital von 600.000 Euro wird laut Eishold noch vor dem Börsengang erhöht. Derzeit liegen 42 Prozent der Anteile in der Hand des Heinrich Bauer Verlags, der Rest entfällt auf Vorstand, Gründer und Aufsichtsratsmitglieder.

Wann der Börsengang sein soll, wollte Eishold auch wieder nicht so genau sagen. "Wir würden uns freuen, wenn es noch dieses Jahr etwas würde". Dann würde man natürlich konkreter werden.