Medien Berlusconi schielt auf ProSiebenSat.1
Mailand/München - Der Verwaltungsrat des von Berlusconi kontrollierten Medienriesen Mediaset werde ein Angebot für 50,5 Prozent an der Münchener Sendergruppe ProSiebenSat.1 prüfen, sagte ein Sprecher des Unternehmens heute und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Il Messaggero". Eine Entscheidung solle am Dienstag fallen.
Zur Mediaset-Gruppe, die in der Hand der Familie Berlusconis ist, gehören unter anderem die drei größten TV-Privatsender Italiens.
Es ist nicht das erste Mal, dass Berlusconi versucht, die Sendergruppe unter seine Fittiche zu bekommen. Im Jahr 2000 stieg der italienische Medientycoon bei der Tochtergesellschaft der Kirch-Gruppe, Kirch-Media, ein. Als die Kirch-Gruppe 2002 in die Insolvenz ging, beteiligte sich Berlusconi am Bieterwettbewerb um die Sendergruppe ProSiebenSat.1. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber verhinderte damals, dass Berlusconi zum Zuge kam.
ProSiebenSat.1 wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Die im MDax notierten Vorzugsaktien der Sendergruppe legten zunächst um mehr als fünf Prozent zu. Im Handelsverlauf bröckelte das Plus auf 2,65 Prozent bei 23,59 Euro ab. "Einige Anleger spekulieren auf ein Bietergefecht um ProSieben", sagte ein Händler.
Der ProSieben-Mehrheitseigentümer, eine Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban, plant Kreisen zufolge derzeit einen neuen Anlauf zum Verkauf der Sendergruppe. Sie haben die Investmentbank Morgan Stanley beauftragt, eine Auktion zu starten. Ein Verkauf von ProSiebenSat.1 an den Axel Springer Verlag war am Widerstand des Bundeskartellamts gescheitert. Die Investoren um Saban halten 88 Prozent der Stamm- und 13 Prozent der Vorzugsaktien an ProSiebenSat.1.
Da sich die Konjunkturentwicklung in Deutschland wieder bessert und damit auch die Werbeerlöse wieder steigen, könnten die ProSiebenSat.1-Eigentümer auf einen höheren Preis für die Sendergruppe hoffen. Mit steigenden Werbeeinnahmen sollten auch die Erlöse der Sendergruppe zulegen. ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch hatte erst kürzlich seine Prognose für den TV-Werbemarkt in Deutschland in diesem Jahr erhöht.
mik/dpa/Reuters