Medien-Monopoly: Showdown zwischen Springer und Kirch - DER SPIEGEL
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Medien-Monopoly Showdown zwischen Springer und Kirch

Zwischen dem Axel Springer Verlag und Leo Kirch ist ein Krieg um Millionensummen und Aktienpakete ausgebrochen. Der Hamburger Verlag will die KirchGruppe zu einer Ausgabe zwingen, die sie an den Rand des Bankrotts treiben könnte. Kirch bläst zum Gegenangriff und setzt seine Anwälte auf Springer an.
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Hamburg/München - Wenn es je Eintracht gab zwischen dem Münchner Filmrechtehändler und dem Hamburger Verlag, dann ist sie nun vorbei. Am Mittwochnachmittag reagierte die KirchGruppe unwirsch auf den Beschluss des Springer-Verlags, seinen 11,5-Prozent-Anteil an Kirchs ProSiebenSat.1 Media AG zum Vielfachen des aktuellen Börsenwertes an Kirch zurückzuverkaufen. Die so genannte Put-Option, die Kirch laut Springer zur Rücknahme des Anteils zwingt, ist aus Sicht der Münchner unwirksam. Bei der notariellen Beurkundung der Option seien auf Wunsch des Springer-Verlags wesentliche Vertragselemente bis zum heutigen Tag nicht geregelt worden, teilte die KirchGruppe mit. Kirch wolle daher rechtliche Mittel gegen Springer einlegen, gleichzeitig solle aber weiter verhandelt werden. Ein Springer-Vertreter bezeichnete Kirchs Einwände als "Taschenspielertricks".

Zuvor hatten der Springer-Vorstand und der Aufsichtsrat beschlossen, die Ausübung der Option, die offiziell Ende Januar fällig wird, nicht zu verschieben. Damit wollte sich Springer komplett von seiner Beteiligung an der KirchGruppe trennen - eine Brüskierung des hoch verschuldeten Münchners. Eine Springer-Sprecherin sagte, rechtlich und wirtschaftlich gebe es keine Alternative zur Ausübung der Option, "der Vorstand hatte keine Wahl".

In den vergangenen Wochen hatten die beiden Unternehmen hart auf hart verhandelt. Zusammen mit externen Beratern wurde teils bis in die Nacht hinein nach einer Lösung gesucht, mit der beide Seiten leben können. Erste Medien berichten davon, Springer wolle seinem Hauptaktionär Kirch Raum zum Atmen geben, die Schulden stunden. Laut Informationen aus Branchenkreisen hatte Kirch dem Verlag angeboten, einen Teil des Kaufpreises für die Option in bar und den Rest mit Anteilen an der KirchMedia AG zu zahlen. Sie soll im Sommer mit ProSiebenSat.1 verschmolzen und so an die Börse gebracht werden. Dem Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sei das zu riskant gewesen, ist zu hören. Angesichts der riesigen Schuldenlast, die auf dem Kirchimperium lastet, ist schließlich fraglich, ob der Börsengang der KirchMedia, lange als einer der größten im deutschen Börsenjahr 2002, je stattfinden wird.

Der Springer-Verlag teilte bisher nicht mit, welchen Preis er für sein Anteilspaket gefordert hat. Die Option in ihrer ursprünglichen Form sah aber eine Zahlung von 767 Millionen Euro vor. Beim aktuellen Kurs der ProSiebenSat.1-Aktie wäre das Springer-Paket aber nur knapp über 50 Millionen Euro wert. Laut Springer soll der vorher vereinbarte Festpreis für die Option in den nächsten drei Monaten fällig werden. Branchenkreise berichten, die dreimonatige Frist sei nicht als Konzession an Kirch zu sehen, sie sei Teil des ursprünglichen Vertrages gewesen.

Die Springer-Forderung allein wäre sicherlich noch kein Todesstoß für Kirch, der sein Imperium seit den fünfziger Jahren schon mehrfach an den Rand des Ruins manövriert hat. Immer wieder hat Kirch sich bei fast ausweglosen Gesprächen mit seinen Gläubigern als Meister der Verhandlung und Umschuldung erwiesen. Erst Mitte Januar gelang es Kirch und seinem Vize Dieter Hahn, die Rückzahlung eines dreistelligen Millionenkredits an die Dresdner Bank zu verschieben.

Trotzdem würde die Zahlung an Springer Kirch vor riesige Probleme stellen: Bei geschätzten sechs Milliarden Euro Gesamtschulden und 2,5 Milliarden Euro weiteren Verbindlichkeiten kann der Unternehmer derzeit finanziell keine großen Sprünge machen, es gibt Zweifel an der langfristigen Handlungsfähigkeit der Gruppe. Im Kerngeschäft mit dem Filmrechtehandel schrumpfen die Gewinne, der Pay-TV-Kanal Premiere World macht Milliardenverluste. Die Zahl der Abo-Kunden wächst bedeutend langsamer als geplant. Der Springer-Verlag wiederum kann das Geld aus der Optionszahlung gut gebrauchen. Erstmals in seiner Geschichte rechnet er für das vergangene Geschäftsjahr mit einem Verlust. Das Verlagshaus hat zudem ein drastisches Kostensenkungsprogramm und den Abbau von 1400 Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren in Aussicht gestellt.

Wenn Springer seinen Großaktionär durch die Ausübung der Option in eine Krise stürzt, könnte darunter aber auch der Verlag selbst leiden. Kirchs Medienkonzern ist schließlich mit rund 40 Prozent an dem Hamburger Verlagshaus beteiligt. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Wenn es Springer schlecht geht, leidet auch Kirch. Zum Beispiel dann, wenn Springer keine oder weniger Dividende zahlt.

Eine ebenfalls große Gefahr für Kirch ist eine andere Option, die erst im Oktober fällig wird. Rupert Murdoch besitzt eine 22-Prozent-Beteiligung an Kirchs Pay-TV-Kanal Premiere World. Wenn Murdoch Kirch zwingt, diesen Anteil im Herbst für rund 1,5 Milliarden Euro zurückzukaufen, dürfte das die Münchner in gravierende Liquiditätsprobleme stürzen.

Murdoch setzt dieses Verkaufsrecht weiterhin als Druckmittel ein. Vor knapp zwei Wochen hatte er öffentlich darüber philosophiert, dass er das Management bei Premiere übernehmen könnte. Daraufhin flogen Kirch und seine Manager der "Financial Times" zufolge zu einem geheimen Treffen mit Murdoch nach London.

Die Bayerische Landesbank wollte am Mittwoch nicht kommentieren, ob sie Kirch gegebenenfalls wieder beispringen würde. Laut Medienberichten hat die halbstaatliche Bank der KirchGruppe bereits Kredite mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro gegeben. Die Landesbank sei auch noch eingesprungen, als private Kreditinstitute längst abgewunken hatten. Schon wird spekuliert, ob der bayerische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) einschreiten würde, wenn die KirchGruppe ins Wanken geriete.