Medienkonzern Bertelsmann verhindert eigenen Börsengang
Frankfurt Mit dem Anteilsrückkauf vereitelt das Unternehmen einen Börsengang, zu dem es der belgische Investor Albert Frere zwingen wollte. Bertelsmann habe sich mit dem Minderheitsaktionär, der von Frere kontrollierten Investmentgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL), geeinigt, den 25,1-prozentigen Anteil zum 1. Juli für 4,5 Milliarden Euro zurückzukaufen, teilte das Unternehmen heute mit.
Familien-Sprecherin Liz Mohn und Vorstandschef Gunter Thielen begrüßten den Schritt: Er sichere die Unabhängigkeit und gebe Handlungsspielraum.
Finanziert werden soll die Milliardentransaktion zunächst über einen Kredit mehrerer Banken, der mit den Erlösen aus dem laufenden Geschäft und dem geplanten Verkauf des Musikverlags BMG Music Publishing binnen zwölf bis 18 Monaten getilgt werden soll. Der Verkaufsprozess für den Verlag, der die Rechte an den Songs unter anderem von Christina Aguilera und Coldplay hält, soll in Kürze beginnen und könnte - gemessen an den Preisen für andere Unternehmen der Branche - bis zu 1,3 Milliarden Euro einbringen. Ein Unternehmenssprecher wollte sich nicht zu den Preisvorstellungen äußern.
Frere war an Bertelsmann beteiligt worden, als er seinen Anteil am Fernsehsender RTL an den Konzern verkaufte. Dabei war ihm das Recht eingeräumt worden, seinen Anteil später an die Börse zu bringen. Im Frühjahr hatte GBL angekündigt, dieses Recht wahrnehmen zu wollen.
Anfang der Woche hatte der Bertelsmann-Vorstand erstmals offiziell die Möglichkeit ins Spiel gebracht, den Anteil stattdessen zurückzukaufen. Der Wert des Aktienpakets war auf bis zu fünf Milliarden Euro taxiert worden, die Familie Mohn wollte Medienberichten zufolge bis zu vier Milliarden Euro zahlen.
Liz Mohn stand einem Börsengang ablehnend gegenüber, hatte sich aber noch zu Wochenbeginn gelassen gegeben. Ob Bertelsmann börsennotiert sei, sei "von untergeordneter Bedeutung". Wichtig sei allein, dass die Familie und die Stiftung drei Viertel der Stimmrechte hielten. "Ich freue mich über den Rückkauf", sagte sie nun.
jul/rts/dpa/ap