Mediziner-Streik: Wulff attackiert Ärzte - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mediziner-Streik Wulff attackiert Ärzte

Mit ihren Forderungen sorgen die streikenden Ärzte für Unmut in der Politik. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat in dem Tarifkonflikt ein deutliches Entgegenkommen der Mediziner-Gewerkschaft Marburger Bund gefordert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main/Berlin - Wulff sagte der Hannoverschen "Neuen Presse", eine Gehaltserhöhung ohne reguläre Arbeitsverlängerung sei nicht denkbar. Man könne nicht von einem Teil des Pflegepersonals die 40-Stunden-Woche fordern und dem Marburger Bund als Vertreter der Ärzte Gehaltserhöhungen ohne Gegenleistung anbieten, argumentierte der CDU-Politiker. Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Ulrich Montgomery, hatte gefordert, längere Arbeitszeiten mit entsprechenden Einkommenserhöhungen zu honorieren.

Die Gehaltsforderung der Klinikärzte von 30 Prozent stößt weiter auf heftige Kritik. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte derselben Zeitung, die Forderung sei unangemessen. Er verwies darauf, dass die Versicherten, die die Rechnungen bezahlen müssten, 2005 überhaupt keine Lohnerhöhungen gehabt hätten. Ähnlich hatte sich bereits zuvor Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geäußert.

Der Vorstandsvorsitzende der Kaufmännischen Krankenkassen (KKH), Ingo Kailuweit, warnte, dass Kostensteigerungen aus überhöhten Tarifabschlüssen sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber als Beitragszahler massiv belasten würden. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, warnte die Klinikärzte, den Konflikt auf dem Rücken der Patienten auszutragen. Die Gehaltsforderung irritiere angesichts der geringen Lohnzuwächse in anderen Berufsgruppen viele Bürger sehr, sagte die SPD-Politikerin den "Ruhr Nachrichten".

Protestag aller Ärzte

Der Marburger Bund und die öffentlichen Arbeitgeber wollen heute ihre Sondierungsgespräche weiterführen. In Berlin treffen Vertreter der Gewerkschaft mit den Verhandlungsführern der Tarifgemeinschaft deutscher Länder zusammen, um über Arbeitsbedingungen und das Gehalt der Mediziner an Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern zu verhandeln. Gestern hatten die Mediziner mit einer Großdemonstration in Hannover ihren Forderungen nach 30 Prozent mehr Gehalt und der Bezahlung von Überstunden Nachdruck verliehen.

Für morgen haben zahlreiche Ärzteverbände zu einem Protesttag aufgerufen. Neben den Klinikärzten treten dann auch die niedergelassenen Mediziner in einen Streik, um gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zu protestieren. Vor den Protesten haben die Kassenärzte mit einer vorübergehenden Schließung ihrer Praxen gedroht. "Die Ärzte sind so wütend, dass sie kurz davor sind, ihre Praxen eine Zeit lang dicht zu machen", sagte Kassenärzte-Chef Andreas Köhler der "Berliner Zeitung". Wenn die niedergelassenen Ärzte den Eindruck gewännen, weiter verschaukelt zu werden, dann werde es massenhaft Ausstände geben." Die Folge wären Versorgungsengpässe.

suc/AP/ddp/dpa

Verwandte Artikel