Mega-Pleite: Geschworene sprechen Enron-Bosse schuldig - DER SPIEGEL
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Mega-Pleite Geschworene sprechen Enron-Bosse schuldig

Das Urteil in einem der bedeutendsten Wirtschaftsprozesse der US-Geschichte kam schneller als erwartet. Nach gut einer Woche Beratung befand die Jury die beiden Ex-Enron-Chefs Lay und Skilling für schuldig. Beiden droht nun jahrzehntelange Haft.
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Houston - Ken Lay, 64, wurde in allen sechs Anklagenpunkten für schuldig befunden. Sein Mitangeklagter Jeffrey Skilling, 52, wurde in 19 von 28 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Skilling und Lay hätten sich in ihrer Zeit als Führungskräfte bei Enron Verschwörung und Betrug zu Schulde kommen lassen, gaben die zwölf Geschworenen bekannt.

Über das Strafmaß wird später Richter Simeon Lake entscheiden. Mit dem Schuldspruch der Geschworenen werden die beiden wohl den Rest ihres Lebens hinter Gittern verbringen: Lay droht nun eine Haftstrafe von maximal 165 Jahren, Skilling eine Verurteilung von bis zu 185 Jahren Haft. In dem Prozess hatte die Verteidigung vergeblich argumentiert, dass die beiden Unternehmenschefs von den Bilanztricksereien in ihrem eigenen Hause nichts gewusst hätten.

Die Geschworenen hatten am Mittwoch vergangener Woche mit den Beratungen über die Schuld der beiden angeklagten Ex-Firmenchefs begonnen. Die Staatsanwaltschaft hatte Lay und Skilling vorgeworfen, die Öffentlichkeit über die finanzielle Misere der Firma getäuscht und sich Millionen Dollar in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

Die Konzernmanager sollen Scheingeschäfte getätigt haben, so dass in den Geschäftsbüchern ein höherer Konzerngewinn ausgewiesen wurde, als tatsächlich angefallen war. Das Energieunternehmen, das einst zu den zehn größten Konzernen der USA zählte und weltweit 20.000 Mitarbeiter beschäftigte, musste Insolvenz , nachdem seine Übernahme durch den Konkurrenten Dynegy Ende 2001 gescheitert war. Es war eine der größten Pleiten in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte, Tausende wurden arbeitslos, die Wall Street musste Milliardenverluste an Vermögenswerten verbuchen. Die Enron-Aktien stürzten von einstmals mehr als 80 Dollar bis auf wenige Cent ab. Milliarden von Dollar in den Pensionskassen der Mitarbeiter gingen verloren.

Staatsanwalt Sean Berkowitz hatte die Geschworenen kurz vor Beginn der Beratungen gedrängt, die Angeklagten schuldig zu sprechen. "Sie haben die Wahrheit zurückgehalten und sich selbst über die Anleger gestellt. Die Gerechtigkeit kann man nicht kaufen", sagte Berkowitz.

Lay und Skilling hatten alle Vorwürfe von sich gewiesen und stattdessen den geständigen Ex-Firmenchef Andrew Fastow für die Bilanzmanipulationen vor dem Zusammenbruch Enrons verantwortlich gemacht. In einem abgetrennten Verfahren ist Lay außerdem in vier Punkten wegen illegaler Börsengeschäfte angeklagt. Der Ex-Manager muss sich wegen Bankbetruges und falscher Erklärungen über die finanzielle Misere der Firma verantworten.

Lay galt als Förderer der Republikanischen Partei und Vertrauter von US-Präsident George W. Bush. Der Sohn eines Priesters war 15 Jahre Enron-Chef, bevor 2001 Skilling das Ruder übernahm. Sechs Monate später trat Skilling jedoch zurück und überließ Lay erneut die Leitung des Konzerns.

dab/reuters/AFP