Mega-Streik: Bahn verklagt GDL - Engpässe in Häfen - DER SPIEGEL
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Mega-Streik Bahn verklagt GDL - Engpässe in Häfen

Neue Runde im juristischen Tauziehen um den Bahn-Streik: Die Bahn AG hat die Gewerkschaft GDL auf fünf Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Inzwischen macht der Arbeitskampf den deutschen Seehäfen Probleme: Bei der Verladung gibt es immer mehr Engpässe.
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Hamburg - Der Güterumschlag in den deutschen Seehäfen beginnt unter dem Streik der GDL zu leiden. "Es sieht schon dramatischer aus als beim letzten Mal", sagte die Sprecherin der Hamburg Port Authority (HPA), Christiane Kuhrt. Im Hamburger Hafen seien rund 50 Prozent des Schienenverkehrs ausgefallen oder verspätet angekommen, es habe bereits Verzögerungen beim Verladen gegeben.

Seit gestern Mittag, 12 Uhr, streiken die Lokführer im Güterverkehr der Deutschen Bahn, seit heute Nacht um 2 Uhr auch im Personenverkehr in Nah, Regional- und Fernbereich. Neben den Häfen sind auch Industriebetriebe sowie Millionen von Pendlern betroffen, Audi schloss sein Brüsseler Werk bis Montag, auf den Straßen bildeten sich in den Ballungsräumen lange Staus.

Die Bahn sprach vor allem im Güterverkehr von einer kritischen Lage. So könne die Bahn in Ostdeutschland ausschließlich noch die versorgungsrelevanten Züge fahren. Seit Streikbeginn seien bei den Güterzügen rund 1400 Schichten nicht angetreten worden.

Die Hamburger Hafenbehörde HPA teilte mit, beladene Züge stauten sich zunehmend. Insgesamt verkehren im Hamburger Hafen täglich rund 200 Güterzüge. Etwa ein Viertel davon gehört privaten Konkurrenten der Bahn-Frachttochter Railion, sie sind nicht von dem Streik betroffen. Bei den Privaten laufe der Betrieb demnach noch. "Unser Bestreben ist es, denen die Gleise zur Verfügung zu stellen", sagte Kuhrt. Außerdem halte man die Zu- und Abfahrtgleise frei. Für den Tag seien noch Kapazitäten vorhanden, dann werde es eng. "Genau wie die GDL es angekündigt hat, baut es sich langsam auf und schwappt dann wellenartig rein", schilderte die Sprecherin die Situation.

Eine Sprecherin der Hamburger Hafengesellschaft HHLA sagte, die Abfertigung der Containerschiffe laufe bislang noch normal. Kein Schiff bleibe wesentlich länger liegen als bisher. "Das kann sich im Laufe der Zeit natürlich ändern."

Der Lübecker Hafen meldete dagegen Engpässe. "Wir haben massive Probleme besonders bei der Papierverladung", berichtete der Pressesprecher der Lübecker Hafen-Gesellschaft, Rolf Klein. Statt der vorgesehen 100 Waggons, mit denen angelandete Papierrollen weiter transportiert werden sollten, konnten nur 25 abgefertigt werden. "Jetzt weichen wir auf die Straße aus", sagte Klein.

Auch der sogenannte kombinierte Verkehr, bei dem Lkw-Anhänger und Container auf der Schiene nach Lübeck gebracht und dann per Schiff weitertransportiert werden, geriet demnach ins Stocken. Von den für morgen angekündigten sechs Zügen seien nur zwei eingetroffen. "Zwei weitere wurden ganz abgesagt und zwei sind irgendwo auf der Strecke liegen geblieben", berichtete Klein. Er rechne damit, dass die Probleme mit jedem zusätzlichen Streiktag zunehmen werden.

Im Rostocker Hafen kamen kaum noch Züge zur Entladung an, wie die Frachtfirma Timodal erklärte, die die Trailerverladung im Hafen abwickelt. Die Rückstaus würden sich mit zunehmender Streikdauer weiter ausbauen. Während die Scandlines-Fähren von Sassnitz-Trelleborg seit gestern ohne Eisenbahnwaggons verkehren, wird die Linie Rostock-Trelleborg noch von dem Eisenbahnunternehmen Railion mit Güterwaggons beschickt, wie Scandlines mitteilte. Ob das so bleibt, sei offen.

Auf die Arbeit in den Bremer Häfen habe der Streik nach wie vor keine gravierenden Auswirkungen, wie Betreiber BLG Logistics Group erklärte. Nach Angaben von Terminalbetreiber Eurogate sind noch genügend Stellflächen vorhanden. Dazu trage bei, dass infolge des Streiks weniger Container den Hafen erreichten. Von dem befürchteten Chaos könne keine Rede sein, sagte eine Sprecherin. Auch in Kiel war die Situation zunächst noch entspannt.

Bahn-Sprecher Uwe Herz bestätigte, dass der Konzern die Klage auf Schadenersatz für die Warnstreiks vom 10. Juli beim Arbeitsgericht Frankfurt am Main eingereicht. Laut "Bild"-Zeitung argumentiert der Konzern, die bundesweiten Arbeitsniederlegungen an diesem Tag im Regionalverkehr seien rechtswidrig gewesen. Schließlich seien die Tarifverträge seinerzeit teilweise noch nicht gekündigt gewesen, so dass die GDL die gesetzlich geschützte Friedenspflicht verletzt habe.

Ökonomen warnen vor einer Krisenstimmung wegen des Bahn-Streiks. Der Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, sagte in Berlin, der Streik habe natürlich gewisse negative Effekte auf die Wirtschaft, ohne dass aber dem Aufschwung schon Gefahr drohe. Für eine Weltuntergangsstimmung gebe es keinen Grund. Erst wenn der Streik langfristig andauere, "könnte das zu Problemen führen", sagte Rürup. Das aber sehe er derzeit nicht. Er bemängelte jedoch, durch den Streik werde weniger der Arbeitgeber Bahn als die Gesamtwirtschaft getroffen.

Zurückhaltung empfahl auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. "Ein leichter Dämpfer, aber keine Dramatik", sagte er zur Wirkung des Streiks. Solange Augenmaß beim Arbeitskampf gewahrt werde, drohe der Konjunktur keine grundlegende Gefahr. "Problematisch wäre es, wenn daraus eine Italienisierung Deutschlands entstehen würde, in der einzelne Gruppen ihre Interessen mit Streiks wahrnehmen." Vorerst würden die Folgen des Streiks in Teilen der Wirtschaft dadurch gedämpft, dass viele Firmen Vorkehrungen getroffen hätten.

kaz/AP/Reuters/dpa

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