Mehr labora, weniger ora Pater Anselm wird Consultant
München - Auf Grund "einer zunehmenden Entfremdung vom Gemeinschaftsleben" des Klosters habe er sich entschlossen, aus einer Sabbatzeit nicht mehr zurückzukehren, teilte der Mönch am Montag in München mit. Abt Johannes Eckert sprach von einem schmerzlichen Einschnitt und wies Spekulationen über einen Kurswechsel bei wirtschaftlichen und kulturellen Aktivitäten zurück.
Pater Anselm hatte die Andechser Wirtschaftsbetriebe 18 Jahre lang erfolgreich ausgebaut und das Kloster bei München bundesweit bekannt gemacht. Bei der Wahl des neuen Abtes vor knapp einem Jahr war der 50-Jährige aber dem erst 35 Jahre alten Johannes Eckert unterlegen. Darauf hatte Pater Anselm ein Sabbatjahr genommen und war vom neuen Abt von immer mehr Aufgaben entbunden worden.
Abt Johannes sagte, Pater Anselm habe die Entscheidung zum Austritt selbst getroffen. "Das war nicht meine Entscheidung", betonte er. Bilgri habe die Wirtschaftsbetriebe mit großem Erfolg ausgebaut, "in den Medien unserem Kloster ein Gesicht gegeben und viele Themen in die gesellschaftliche Diskussion gebracht. Dafür sind wir ihm sehr dankbar." Aber ein Benediktiner-Kloster sei weder ein Unternehmen noch ein Verein, sondern eine geistliche Gemeinschaft. Die Mönche verbrächten viel Zeit im gemeinsamen Gebet.
25 glückliche Jahre
Am vergangenen Donnerstag habe Pater Anselm ihm seinen Entschluss mitgeteilt, "unsere Gemeinschaft aus persönlichen Gründen zu verlassen, weil er in unserer Abtei keine Zukunft mehr für sich sieht. Damit ist ein mehrjähriger Prozess zum Abschluss gekommen", sagte der Abt in München vor Journalisten.
Pater Anselm nahm an der Pressekonferenz nicht teil. In einer schriftlichen Erklärung hieß es: "Den Entschluss zum Ausscheiden aus dem Kloster habe ich im Zuge einer zunehmenden Entfremdung vom Gemeinschaftsleben unseres Klosters gefasst." Das habe er dem Abt mitgeteilt und ihn "dabei ... als offenen und hörbereiten Oberen erlebt", der die Trennung "für alle Beteiligten optimal gestalten will".
Nach 25 "erfüllten und glücklichen Jahren" als Mönch sei er nun dabei, sich "eine neue Existenz in München aufzubauen. Ich werde in den Bereichen Lebens- und Unternehmensberatung, Seminare und Kurse, Vorträge und Publikationen tätig sein", erklärte Pater Anselm. Er wolle die Weisheit der christlichen Tradition und der Benediktregel für andere erfahrbar machen. Wenn es das Kirchenrecht zulasse, wolle er auch weiterhin als Priester und Seelsorger tätig bleiben.
Symbiose von Geist und Gastronomie
Abt Johannes sagte, er habe Pater Anselm nie entmachtet, sondern nur auf dessen eigenen Wunsch hin von einigen Aufgaben entlastet. "Abt und Konvent stehen einmütig hinter allen unseren Wirtschaftsbetrieben", betonte er. Sie sicherten den Lebensunterhalt der bisher 24 Mönche, über 200 Arbeitsplätze und die sozialen Projekte der Abtei. Brauerei, Gastronomie und Orff-Festspiele sollten auch in Zukunft so bleiben. Andechs stehe für eine Symbiose von geistlichem Zentrum, Gastronomie und kulturellem Zentrum.
Wie Pater Anselms Verbindung zu den Benediktinern künftig aussieht, ob ein Dispens aus Rom nötig sei und ob er weiter als Priester tätig sein kann, ließ der Abt offen. Über einen Nachfolger als Prior (stellvertretender Abt) sei noch nicht entschieden.