Mercedes Cordes verdient eine Million mit Aktienverkauf
Stuttgart/Hamburg - Cordes hatte vergangenen Freitag eine Kaufoption für 92.500 Daimler-Aktien eingelöst und die Papiere mit einem Gewinn von knapp 500.000 Euro weiterverkauft. Wie das Unternehmen jetzt bestätigte, zahlt DaimlerChrysler dem Manager zusätzlich noch einen Ausgleich von 530.000 Euro. Damit soll Cordes dafür entschädigt werden, dass er beim Kauf der Aktien mehr bezahlte, als in einem Aktienoptionsplan von 2003 vorgesehen war.
Auf die gleiche Weise wie Cordes könnte auch DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp Millionen machen, wie die "Wirtschaftswoche" berichtet. Das Blatt bezieht sich auf das Optionsprogramm des Konzerns und die Schätzungen des Wirtschaftsrechtlers Michael Adams. Schrempp verfügt demnach aus den Jahren 2000 bis 2004 noch über rund 2,6 Millionen Aktienoptionen.
Normalerweise dürfen Aktienoptionen zehn Jahre lang eingelöst werden - prinzipiell allerdings nur, solange der Manager noch beschäftigt ist. Endet ein Arbeitsverhältnis - wie das von Schrempp - aber nicht durch Kündigung, sieht der Optionsplan besondere Regelungen vor. Wie viele Optionen Jürgen Schrempp noch einlösen kann, hängt demnach von seinem Vertrag ab und kann von Außenstehenden nur geschätzt werden. Ein Konzernsprecher wollte dazu gegenüber SPIEGEL ONLINE keine Angaben machen. Die Frage, über wieviele Aktien-Optionen die Vorstände verfügen, werde nicht kommentiert.
Nach Berechnungen der "Wirtschaftswoche" könnte Schrempp bis 2009 - sollte der Kurs nur um sechs Prozent steigen - jedoch 27,6 Millionen Euro verdienen. Bei Verdopplung des Aktien-Wertes wären es sogar 101 Millionen Euro. Dabei würde Schrempp nicht nur vom steigenden Aktienkurs profitieren, sondern, genau wie Cordes, auch vom Konzern einen Barausgleich für die Differenz zwischen Ausübungs- und Referenzpreis erhalten.
Diese außergewöhnliche Regelung sowie die lange Laufzeit der Optionen ermöglichen laut Wirtschaftsrechtler Adams "astronomische leistungslose Gewinnmöglichkeiten." In der Vergangenheit war diese Form der Vorstandsvergütung von Aktionären deshalb heftig kritisiert worden. Dieses Jahr wurde sie schließlich abgeschafft.
Cordes dementiert Bericht über Schrempp-Versprechen
Seit Mercedes-Chef Cordes eine so große Menge von Daimler-Aktien veräußert hat, gilt als sicher, dass er DaimlerChrysler verlassen wird. Der 54-Jährige soll dem Aufsichtsrat bereits vergangenen Donnerstag seinen Rücktritt angeboten haben - aus Enttäuschung über die Ernennung Dieter Zetsches zum Nachfolger von Schrempp, wie es heißt.
Der "Stern" berichtet, Schrempp habe dem Mercedes-Chef den Chefsessel des Konzerns noch vor wenigen Wochen fest versprochen. Nach der Ankündigung seines Rücktrittes vergangenen Donnerstag habe Schrempp sich dann aber für Zetsche stark gemacht. Cordes ließ diesen Bericht dementieren. Ein Versprechen Schrempps habe es nie gegeben. "Das ist absoluter Quatsch", ließ Cordes über einen Sprecher ausrichten.