Merrill Lynch: Wer will, kann gehen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Merrill Lynch Wer will, kann gehen

Das US-Investmenthaus Merrill Lynch unterbreitet allen Mitarbeitern ein Angebot: Jeder kann gehen und wird dafür mit einer hohen Abfindung belohnt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Die weltweit 65.900 Beschäftigten von Merrill Lynch   erhalten am Montag einen Brief vom Chef. Stanley O'Neill wünscht sich, dass möglichst viele freiwillig ihren Arbeitsplatz aufgeben und bietet dafür eine Abfindung in Höhe von mindestens einem Jahresgehalt. Nach Angaben eines Spreches haben die Mitarbeiter bis November Zeit, sich zu entscheiden.

Die Abfindungshöhe bemisst sich nach den Angaben nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Danach sind Abfindungen von über einem Jahresgehalt sowie eines Großteils des Bonuses 2000 möglich. Eine Zielzahl zum Arbeitsplatzabbau sei mit den Abfindungsangeboten nicht verbunden, hieß es weiter. Merrill Lynch hatte am Donnerstag einen Gewinnrückgang um 52 Prozent auf noch 422 Millionen Dollar im dritten Quartal ausgewiesen.

Vor kurzem hatte das "Wall Street Journal" berichtet, Merrill Lynch plane eine der größten Umstrukturierungen in seiner 86-jährigen Geschichte und wolle weltweit bis zu 10.000 Stellen streichen. Das entspreche etwa 15 Prozent der Mitarbeiter, schrieb die Zeitung unter Berufung auf leitende Mitarbeiter des Konzerns. Die Umstrukturierungen würden das Ergebnis einmalig um eine Milliarde Dollar belasten.

Ein wesentlicher Grund für die aktuellen Pläne: Die Ergebnissituation der renommierten US-Investmentbank hat sich deutlich verschlechtert. Im dritten Quartal lag der Nettogewinn bei 422 Millionen US-Dollar oder 44 Cent je Aktie (EPS), gegenüber dem Vorjahreszeitraum (885 Millionen Dollar oder 94 Cent pro Aktie) ein Rückgang um rund 50 Prozent. Der Nettoumsatz sank um 16 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Das dritte Quartal sei das schlimmste seit 1998 gewesen, hieß es seitens der Bank.