Metall- und Elektroindustrie: IG Metall startet Warnstreiks - DER SPIEGEL
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Metall- und Elektroindustrie IG Metall startet Warnstreiks

Vier ergebnislose Verhandlungsrunden reichen: Kurz nach Mitternacht hat die IG Metall mit ersten Warnstreiks begonnen, Hunderte von Beschäftigten legten bundesweit zeitweise ihre Arbeit nieder. Die Gewerkschaft droht mit "harten und heftigen Auseinandersetzungen".
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Hamburg - Im rheinland-pfälzischen Andernach verlangten nach Gewerkschaftsangaben kurz nach Mitternacht mehrere Hundert Beschäftigte vor den Toren des Weißblechherstellers Rasselstein 6,5 Prozent mehr Geld. Ihre Forderung untermauerten sie mit lauten Pfiffen und Transparenten. In Niedersachsen legten um Punkt 0.01 Uhr am Sonntag rund 200 Beschäftigte des Autozulieferers Bosch in Hildesheim und Salzgitter sowie von MAN Nutzfahrzeuge in Salzgitter ihre Arbeit nieder. Auch in Berlin gab es erste Warnstreiks. Mit den Arbeitsniederlegungen soll der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden. Im März hatte bereits die Chemieindustrie einen Lohnabschluss von mehr als vier Prozent erreicht.

Die bayerische IG Metall stimmte sich mit einer Protestaktion bei MAN   Diesel in Augsburg in der Nacht zum Sonntag auf die geplanten Warnstreiks in der kommenden Woche ein. Punkt Mitternacht leuchtete vor den Werkstoren die 6,5-Prozent-Forderung der Gewerkschaft in Form eines Standfeuerwerks auf. Die Friedenspflicht sei bundesweit abgelaufen, sagte Bezirkschef Werner Neugebauer vor 400 Betriebsräten und Vertrauensleuten. "Damit stehen wir vor einer harten und heftigen Auseinandersetzung."

In Andernach sagte der IG-Metall-Vize Berthold Huber, wenn die Arbeitgeber kein vernünftiges Angebot vorlegten, werde es "massive, ausgedehnte Warnstreikaktionen" und - wenn es nicht anders gehe - auch einen Arbeitskampf geben. "Die IG Metall ist dann kampfbereit. Sie wird diesen Konflikt dann führen", sagte Huber. Er bekräftigte, das bislang vorgelegte Angebot sei zu niedrig. "Das ist keine faire Beteiligung und wird der hervorragenden wirtschaftlichen Lage, vor allem in der Metall- und Elektroindustrie, nicht gerecht", sagte er. "Wir brauchen spürbare, dauerhafte und stabile Entgelterhöhungen."

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser warnte unterdessen eindringlich vor einem Arbeitskampf. "In der derzeitigen konjunkturellen Lage würden Streiks viele Betriebe der Metall- und Elektroindustrie erheblich treffen", sagte Kannegiesser. Es bestehe die Gefahr, dass Kundenbeziehungen beschädigt und die Auswirkungen auf alle zurückfielen. Er forderte erneut eine schnelle Einigung. Die Arbeitgeber bieten bisher 2,5 Prozent mehr Entgelt und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent.

SPD-Chef Kurt Beck rechnet auch nach dem Beginn von Warnstreiks mit einer Beilegung des Tarifkonflikts in der Metall-Industrie am Verhandlungstisch. "Ich bin überzeugt, dass sich bei Metall beide Seiten ihrer Verantwortung bewusst sind und setze darauf, dass eine Lösung am Verhandlungstisch gefunden wird", sagte Beck der "Bild am Sonntag".

"Arbeitnehmer am Aufschwung beteiligen"

Gleichzeitig forderte Beck in der Metallindustrie "angemessene Lohnsteigerungen" und mit Blick auf den 1. Mai die Beteiligung aller Arbeitnehmer am Aufschwung. "Am 1. Mai muss in diesem Jahr klar werden, dass zum wirtschaftlichen Erfolg neben dem Kapital und den Unternehmen vor allem die Arbeitnehmer gehören. Die zentrale Botschaft lautet: Teilhabe der arbeitenden Menschen am Aufschwung. Arbeitnehmer dürfen nicht als Kostenfaktoren abgestempelt werden", sagte Beck der Zeitung.

Die Hoffnungen auf einen Durchbruch richten sich jetzt auf Baden-Württemberg, wo am kommenden Donnerstag die fünfte Runde angesetzt ist. Ob es zu einem Arbeitskampf komme, werde sich bis Mitte Mai entscheiden, sagte Huber. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld für die bundesweit rund 3,4 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie.

Für den Verlauf der kommenden Woche droht die IG Metall mit einer massiven Ausweitung der Streiks. "In mehr als 400 Betrieben allein im Südwesten wird es Aktionen geben", sagte der dortige IG-Metall-Bezirksleiter, Jörg Hofmann, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

sam/dpa/AFP