Metallindustrie: Die Arbeitgeber bewegen sich - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Metallindustrie Die Arbeitgeber bewegen sich

Während die Streiks weitergehen, kehren die Metall-Tarifpartner wieder an den Verhandlungstisch zurück. Die Arbeitgeber sind offenbar zu weiteren Zugeständnissen bereit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - "Es wird sich etwas bewegen. Sonst ginge man nicht in neue Verhandlungen", sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans-Werner Busch am Dienstag im Deutschlandfunk. In Baden-Württemberg, wo seit Anfang vergangener Woche gestreikt wird, wollen die Tarifpartner am Mittwoch erneut den Versuch unternehmen, den Konflikt am Verhandlungstisch beizulegen. Das ergab ein Sondierungsgespräch zwischen dem baden-württembergischen IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber und dem Südwestmetall-Vorsitzenden Otmar Zwiebelhofer am Montagabend.

Nach Angaben von Busch wollen die Arbeitgeber neben den Einkommenserhöhungen auch die Laufzeit des Tarifvertrags und der Einstieg in den Entgeltrahmentarifvertrag (ERA) berücksichtigt sehen. "Die drei Elemente müssen sinnvoll zusammengebracht werden. Da sollte man nicht nur auf die Lohnhöhe schauen." Die Arbeitgeber hatten zuletzt 3,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Einmalzahlung von 190 Euro angeboten. Die IG Metall, die mit einer 6,5-Prozent-Forderung in die Verhandlungen gestartet war, strebt einen Abschluss von mindestens vier Prozent an. Mit dem Entgeltrahmentarifvertrag sollen die Einkommen von Arbeitern und Angestellten angeglichen werden, die vergleichbare Tätigkeiten ausüben.

Der Arbeitskampf in der Metall- und Elektro-Industrie wird auch am Dienstag fortgesetzt. In Baden-Württemberg sind 13.000 Beschäftigte in 22 Betrieben aufgefordert, nicht zur Arbeit zu erscheinen. Porsche und John Deere werden bereits zum zweiten Mal bestreikt, neu hinzu kommen unter anderem WMF und Bauknecht. Im Raum Berlin-Brandenburg sollen während der ganzen Woche 10.000 Beschäftigte in 25 Betrieben in den Ausstand treten. Am Dienstag sind dort die Standorte der Unternehmen BMW, Siemens, MTU und Heidelberger Druckmaschinen an der Reihe.

Im Tarifkonflikt des deutschen Baugewerbes beginnt heute in Berlin die Schlichtung. Schlichter ist der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. Die IG Bauen-Agrar- Umwelt (IG BAU) hatte die Tarifverhandlungen vergangene Woche für gescheitert erklärt, nachdem die Arbeitgeber in insgesamt fünf Verhandlungsrunden kein Angebot vorgelegt hatten. Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit rund 950 000 Beschäftigten 4,5 Prozent

Die Tarifverhandlungen für die 220 000 Beschäftigten der Druckindustrie gehen heute in Frankfurt in die entscheidende Runde. Der Bundesverband Druck und Medien und die Gewerkschaft ver.di sehen in der fünften Runde die letzte Chance, zu einer Einigung zu kommen. Beide Tarifparteien rechnen angesichts der verhärteten Positionen mit schwierigen Verhandlungen. Die Gewerkschaft ver.di fordert 6,5 Prozent mehr Geld und strebt einen Abschluss über 3,6 Prozent an. Die Arbeitgeber haben zuletzt Erhöhungen zwischen 2,5 und 2,8 Prozent angeboten.

Nach Angaben der Gewerkschaft sind im Laufe des Tages in Bayern rund 2.400 Mitarbeiter in 32 Betrieben aufgerufen, die Arbeit zeitweise niederzulegen. Schwerpunkt der Aktionen sei der Münchner Raum. Dort legten nach Gewerkschaftsangaben unter anderem Beschäftigte der Zeitungen "Süddeutsche Zeitung", "Münchner Merkur" und "tz" die Arbeit nieder. Die "Süddeutsche Zeitung" und die "tz" vermerkten auf ihren Dienstagsausgaben, dass sie von dem Warnstreik betroffen seien. Von Arbeitgeberseite gab es am Morgen noch keine aktuelle Stellungnahme.