Metallindustrie: Tarifparteien einigen sich auf 3,8 Prozent - DER SPIEGEL
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Metallindustrie Tarifparteien einigen sich auf 3,8 Prozent

Es war eine lange Nacht in Gelsenkirchen. Doch nach zehn Stunden intensiven Verhandelns waren sich Gewerkschafter und Arbeitgeber endlich einig. Die Arbeiter der Eisen- und Stahlindustrie erhalten 3,8 Prozent mehr Gehalt.
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Gelsenkirchen - Der Tarifabschluss sieht für die verbleibenden Monate bis zum Jahresende eine einmalige Pauschale von 500 Euro vor. Hinzu kommt eine Sonderzahlung von 750 Euro "in Anerkennung der besonderen Konjunkturlage", wie es der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Stahl, Volker Becher, formulierte. Der Tarifvertrag für Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen hat eine Laufzeit von 13 Monaten und erstreckt sich bis zum 31. Januar 2008. Auch wurde vereinbart, dass die Betriebe die Kosten der Lernmittel für die Auszubildenden in voller Höhe übernehmen.

Die IG Metall konnte zudem einen neuen tarifpolitischen Ansatz durchsetzen, mit dem sie auf die Überalterung der Belegschaften reagieren will. Unter dem Motto "Altersgerechtes Arbeiten" sei der Einstieg dazu gelungen, dass sich die Tarifparteien "unumkehrbar" mit dem Problem des immer höher werdenden Durchschnittsalters der Belegschaften auseinander setzen. Dazu sollten zunächst Analysen zur Altersstruktur und Belastung der Arbeitnehmer erstellt werden, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel. Zudem sollten mehr Qualifizierungsmaßnahmen, altersspezifisches Arbeiten und eine verstärkte Übernahme von Auszubildenden thematisiert werden.

Auf die Frage nach der Bewertung des in der fünften Verhandlungsrunde erzielten Ergebnisses sagte Becher der Nachrichtenagentur AP: "Zufrieden ist man mit einem so hohen Abschluss natürlich nie." Angesichts der Forderung der IG Metall von sieben Prozent sei die Tarifeinigung aber erträglich. Die Arbeitgeber hatten zuletzt drei Prozent mehr Einkommen bei einer Laufzeit von 19 Monaten und Einmalzahlungen von 500 Euro für jeden Beschäftigten geboten.

Wetzel, erklärte, das Ergebnis gebe den Mitgliedern "einen ordentlichen Anteil an der guten Ertragslage der Betriebe". Die Gewerkschaft habe ein besseres Ergebnis als 2005 angestrebt und dies nun auch erreicht. Allein die Stahl-Sparte von ThyssenKrupp   hatte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres einen operativen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro eingefahren.

Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, würdigte die getroffene Vereinbarung zur "gesundheits- und altersgerechten Gestaltung von Arbeitsbedingungen", mit der tarifpolitisches Neuland betreten werde. Huber erklärte: "Dieser Tarifabschluss bringt Geld und Perspektive."

Mit der Lösung, der die Gremien beider Seiten noch zustimmen müssen, wurden auch die angedrohten neuen Warnstreiks der Gewerkschaft abgewendet. Der Ausgang der Tarifrunde dürfte Signalwirkung für die Tarifverhandlungen der Branche in Ostdeutschland haben und könnte sich auch auf andere Branchen auswirken. Zum Jahreswechsel laufen bereits die Tarifverhandlungen für die deutsche Metallindustrie wieder an.

mik/ddp/Reuters/AP