Microsoft Bill Gates appelliert an Yahoo-Aktionäre
New York - Jetzt ist Schluss mit lustig: Im Übernahmekampf um Yahoo schlägt der Softwareriese Microsoft eine härtere Gangart ein. Microsoft wolle zur anstehenden Wahl des Verwaltungsrats von Yahoo eigene Vertreter ins Rennen schicken, berichtet die "New York Times" in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Insider. Bei einem Erfolg könnten die Mittelsmänner in dem Gremium anschließend die Yahoo-Spitze überstimmen oder gar stürzen.
Zur Neuwahl stehen alle zehn Mitglieder des Verwaltungsrates an. Die Hauptversammlung ist jedoch erst für Sommer geplant. Die Frist zur Nominierung läuft seit vergangener Woche.
Der Weg über den Verwaltungsrat komme Microsoft weit billiger als ein höheres Angebot an die Yahoo-Aktionäre, rechnet die Zeitung vor. Zu erwarten seien zwar Kosten von bis zu 30 Millionen Dollar. Bei einer höheren Offerte müsse Microsoft dagegen für jeden zusätzlichen Dollar über den bisher gebotenen 31 Dollar je Aktie rund 1,4 Milliarden Dollar drauflegen.
Microsoft will mit seinem Angebot für Yahoo von ursprünglich knapp 45 Milliarden Dollar den übermächtigen Rivalen Google verschärft angreifen. Yahoo lehnt die Offerte bisher als zu niedrig ab. Trotz intensiven Werbens konnte Yahoo bisher aber keine anderen Kooperationspartner präsentieren. Eine Reihe von Großaktionären ist an beiden Unternehmen beteiligt. Sie befürworten ein Zusammengehen - allerdings nicht um jeden Preis.
Erstmals hat sich auch Microsoft-Gründer Bill Gates direkt in den Übernahmekampf eingemischt. Er halte das Angebot für Yahoo für angemessen, sagte er in einem Telefoninterview mit der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press. "Wir haben ihnen (Yahoo) per Schreiben mitgeteilt, dass wir das Angebot für fair halten", sagte Gates. Yahoo solle sich das Angebot genau ansehen.
wal/dpa-AFX