Microsoft-Kartellstreit Gates provoziert Super-Mario
Der Softwarekonzern wolle sich unter anderem gegen den Vorwurf wehren, er schwäche Konkurrenten im Bereich Server-Programme, indem er wichtige technische Informationen über Windows verweigert. Vor allem der Microsoft-Konkurrent Sun Microsystems wirft dem Microsoft vor, er nutze seine dominante Stellung bei Betriebssystemen aus. Es falle Sun und anderen Konkurrenten schwer, ihre Serversoftware mit Microsoft Windows kompatibel zu machen und zu verbinden. Microsoft kontrolliert mittlerweile über 50 Prozent des Marktes für Serversoftware.
Außerdem wolle sich Microsoft gegen den Vorwurf verwahren, dass es sich durch die Integration des Media Players in Windows Wettbewerbsvorteile verschafft habe. Es sei nicht praktikabel, Windows und das Programm zum Abspielen von Musik und Videos getrennt zu vertreiben, so die Verteidigungsstrategie.
Ursprünglich hatte Brüssel von Microsoft eine Antwort bis zum Ende der vergangenen Woche gefordert. Microsoft bat aber um Aufschub, um den Ausgang des Kartellstreits in Amerika berücksichtigen zu können. EU-Kartellrechtler sahen darin einen Versuch, das Verfahren zu verschleppen. Nachdem Microsoft seine Verteidigungsargumente offen gelegt hat, haben die EU-Wettbewerbshüter bis zum 21. Dezember Zeit, darauf zu reagieren.
Wettbewerbskommissar Monti pocht derweil auch nach der vorläufigen Einigung im amerikanischen Microsoft-Prozess auf eine unabhängige Entscheidung Brüssels. Die Entscheidung der amerikanischen Kollegen sei für das europäische Verfahren ein "Leitstern", sagte Monti am Mittwoch in New York.
Schon einmal hat Monti einem US-Konzern die Suppe versalzen: Im Juli hatte er die von seinen US-Kollegen bereits gebilligte Übernahme des Flugzeugindustriezulieferers Honeywell durch General Electric durch sein Veto gestoppt. Dies wurde als abermaliges Indiz für die Unnachgiebigkeit und Unabhängigkeit der EU-Kartellwächter gewertet. Monti sagte hingegen, die Bedeutung der Entscheidung sei "übermäßig aufgebauscht" worden.