Microsoft-Kartellstreit Konkurrenz erwägt neue Klage
Palo Alto - Die Einigung im Kartellverfahren benachteiligt nach Worten von Sun-Anwalt Mike Morris die Wettbewerber von Microsoft . "Das ist nicht nur schwach, sondern völlig wirkungslos. Es gibt alle möglichen Schlupflöcher und Regelungslücken." Der Vergleich sieht nicht einmal vor, dass sich Microsoft monopolistischer Praktiken für schuldig bekennen muss, obwohl dies in dem einstimmigen Urteil des siebenköpfigen Berufungsgerichtes in mehreren Punkten bestätigt worden war.
Weiterhin stört die Konkurrenten des Quasi-Monopolisten, dass es Microsoft weiterhin erlaubt sein soll, Softwareelemente jeder Art in die Betriebssystemversionen seiner Windows-Familie zu integrieren.
Der vorgelegte Vergleich ist nach Einschätzung von Experten ohnehin schon durch eine Reihe aktueller Umstände beeinflusst worden. Nach Meinung der "Washington Post" hätten die derzeit schwierige konjunkturelle Lage, die Terror-Attacken vom 11. September, massives Lobbying durch Microsoft sowie eine grundsätzlich andere politische Denkweise der Bush-Regierung eine Rolle gespielt.
Die Einigung zwischen Microsoft und der US-Regierung, deren Eckpunkte am Freitag bekannt gegeben worden sind, umfasst den Angaben zufolge vier zentrale Auflagen, welche den Wettbewerb auf dem Computer- und Software-Markt beleben sollen: Computerhersteller dürfen künftig - ohne Benachteiligungen durch Gates' Konzern befürchten zu müssen - Programme von Microsoft-Konkurrenten auf Rechner aufspielen, die mit dem Betriebssystem Windows laufen.
Zudem muss Microsoft Software-Entwicklern die Quellcodes von Windows zugänglich machen, damit ein gemeinsamer Einsatz von Windows und anderen Programmen möglich ist. Darüber hinaus können Computerhersteller und Verbraucher auf Windows-betriebenen Computern Microsoft-Software durch Programme von Konkurrenten ersetzen. Und schließlich darf Microsoft nicht mehr vertraglich festlegen, dass Computer-Hersteller und Software-Entwickler ausschließlich Microsoft-Produkte unterstützen.
Microsoft muss sich den Angaben zufolge fünf Jahre an die Auflagen halten und wird dabei von einer dreiköpfigen Experten-Kommission überwacht werden. Sollte Microsoft in mehreren Punkten gegen die Beschränkungen verstoßen, verlängert sich deren Dauer um zusätzliche zwei Jahre.