Microsoft: Neues Kartellverfahren droht - DER SPIEGEL
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Microsoft Neues Kartellverfahren droht

Das US-Kartellamt hat erneut Microsoft ins Fadenkreuz genommen. Die Wettbewerbshüter vermuten hinter der Beteiligung an der Softwareschmiede Corel einen Plan, um das Betriebssystem Linux zu schwächen.
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Washington - Im vergangenen Oktober stieg Microsoft mit 135 Millionen Dollar bei Corel ein, dessen bekannteste Programme WordPerfect und CorelDRAW sind. Seitdem hält der Softwareriese aus Redmond 24,6 Prozent der Anteile seines kanadischen Rivalen.

Die Transaktion rief nun das US-Kartellamt auf den Plan. Seit Januar ermittle die Behörde, ob sich das Geschäft nachteilig auf den Wettbewerb auswirke, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ). Vor drei Wochen habe dann das US-Justizministerium die Herausgabe aller Dokumente verlangt, die das Geschäft betreffen.

Hintergrund der neuen Ermittlungen sind Corels Aktivitäten im Linux-Markt. Das Unternehmen entwickelt auch Software für das Betriebssystem des Finnen Linus Torvalds, das als der schärfste Konkurrent für Microsofts Windows gilt. Im November dachte Corel-Chef Derek Burney laut darüber nach, gänzlich aus dem Linux-Geschäft auszusteigen, was die Attraktivität des alternativen Betriebssystems erheblich schmälern würde. Die Wettbewerbshüter vermuten nun, dass Microsoft hinter den Kulissen Druck auf Corel ausübt.

Nach dem Bericht des "WSJ" fanden die Ermittler bei der Untersuchung heraus, dass Corel vertraglich verpflichtet wurde, zunächst Produkte für Microsofts neue Internetsoftware .Net zu entwickeln, bevor Programme für andere Betriebssysteme geschrieben werden. Ob diese Vereinbarung rechtens ist, will das US-Kartellamt nun prüfen.

"Wir untersuchen die Beteiligung", bestätigte eine Sprecherin des US-Justizministeriums. Eine weitere Stellungnahme lehnte sie jedoch ab. Bei Microsoft hieß es, man wolle mit den Behörden kooperieren. Die neue Untersuchung betreffe aber nur einen kleinen Geschäftsbereich, versuchte ein Microsoft-Sprecher zu beruhigen.

Das weitere Vorgehen des Ministeriums wird in den USA mit Spannung beobachtet. Erstmals werden sich nun Bush-Vertraute einschalten, die die bisher harte Gangart der Clinton-Regierung gegen Microsoft kritisiert haben. Der von Präsident George W. Bush favorisierte neue Chef der US-Kartellbehörde, Charles James, äußerte wiederholt Zweifel daran, ob eine Zerschlagung des Microsoft-Konzerns sich günstig für die Verbraucher auswirke.