Milchboykott: Aldi und Rewe signalisieren Verhandlungsbereitschaft - DER SPIEGEL
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Milchboykott Aldi und Rewe signalisieren Verhandlungsbereitschaft

Der Druck auf den Discounter wächst: Aldi Süd fürchtet, dass einigen Filialen die Milch ausgeht - und ist auf einmal bereit, über höhere Milchpreise zu verhandeln. Auch der Handelskonzern Rewe möchte Gespräche führen.
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Hamburg - Darauf konnten sich Verbraucher in Deutschland Supermärkten stets verlassen: Milch gab es eigentlich immer. Diese Zeiten könnten allerdings bald vorbei sein - fürchtet zumindest der Discountriese Aldi Süd. Die Blockade der Molkereien könnte "zu Engpässen in der Belieferung einzelner Filialen von Aldi Süd führen", ließ der Discounter verlauten. Das setzt den Riesen gewaltig unter Druck - plötzlich zeigt man sich dort gesprächsbereit.

Auf Anfrage sagte das Unternehmen, es wolle seinen langjährigen Lieferanten und Geschäftspartnern dauerhaft ein berechenbarer und zuverlässiger Partner sein. Die Basis dafür seien "offene und konstruktive" Gespräche. Auch der Handelskonzern Rewe zeigte sich gesprächsbereit: "Man muss zu einer Lösung kommen", sagte ein Sprecher.

Vor allem Aldi kommt nach der Einschätzung von Experten eine Schlüsselrolle in Konflikt um höhere Milchpreise zu. Denn der Marktführer unter den Discountern setzt in der Regel mit seinem Angebot bei Milchprodukten die Preisschwelle, an der sich alle anderen Unternehmen orientieren. So war das Unternehmen auch mitverantwortlich für den aktuellen Preisverfall.

Der erzürnt Deutschlands Bauern so sehr, dass sie seit Tagen Milch wegschütten und Molkereien blockieren. Die Molkereien würden so lange blockiert, bis der Milchpreis auf 43 Cent pro Liter erhöht werde, sagte der Landesvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Oliver Grommes. Derzeit liegt er je nach Region zwischen 27 und 35 Cent. "Die 43 Cent pro Liter sind ein absolutes Muss", sagte auch BDM-Chef Romuald Schaber im ZDF. "Das muss der Mindestpreis sein. Wettbewerb kann oberhalb dieser Spanne stattfinden, aber nicht mehr darunter."

Bis zuletzt war kein Kompromiss in Sicht: Die Verhandlungen zwischen Bauern und Molkereien in der vergangenen Nacht brachten keine Einigung. Ein Sprecher des Deutschen Bauernverbandes sprach aber immerhin von einer "sachorientierten Atmosphäre". Alleine dass man miteinander spreche, sei schon ein ermutigendes Zeichen. Es gebe eine "ungeheure Konzentration des Handels", sagte BDM-Chef Romuald Schaber. Die Bauern auf der anderen Seite seien "nicht gut aufgestellt" und würden nicht als gleichwertige Partner im Markt behandelt. Dazwischen stünden die Molkereien.

Nach einem erneuten Treffen zwischen Vertretern des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Köln hieß es am Abend jedoch, dass Molkereien und Einzelhandel "unverzüglich" mit Preis-Nachverhandlungen beginnen werden. Einzelheiten wollte DBV-Sprecher Michael Lohse nicht machen. Eine Stellungnahme zu dem Gespräch lehnte auch HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr ab.

Nach Angaben des BDM ist der Milchpreis seit Januar um 30 Prozent gesunken, während gleichzeitig die Produktionskosten um ein Viertel stiegen. Derzeit wird den Bauern ein Literpreis von 35 bis 45 Cent gezahlt. Bei einem ersten Gespräch waren Milchbauern und Molkereien nicht zu einer Lösung des Lieferboykotts gekommen.

Der Deutsche Bauernverband geht derweil von einer raschen Einigung aus. Erzeuger und Molkereien wollten binnen 48 Stunden in Verhandlungen mit dem Einzelhandel einen höheren Abnahmepreis für den Liter Milch erreichen, sagte der Generalsekretär des Verbandes, Helmut Born, am Montag im RBB-Inforadio. Dieser solle auf dem Niveau liegen, das bis Ende April galt.

cvk/asc/AP/dpa-AFX/ddp/Reuters