Milchkampf: 80 Prozent der Bauern fordern höhere Preise - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Milchkampf 80 Prozent der Bauern fordern höhere Preise

Einen Tag vor dem nationalen "Milchgipfel" erhöhen die Landwirte den Druck auf Agrarminister Seehofer: Sie protestieren vor zahlreichen Landwirtschaftsministerien und zeigen in einer Umfrage Geschlossenheit - demnach sind mindestens 80 Prozent der Bauern für höhere Preise.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Am Dienstag lädt Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) zum Milchgipfel nach Berlin. Vertreter der großen Handelsketten und der Milchbauern sollen darüber verhandeln, wie viel die Bauern in Zukunft für ihre Milch bekommen. Für die CSU ist der Milchpreisstreit ein wichtiges Wahlkampfthema: bayerische Bauern sind von den Niedrigpreisen am stärksten betroffen. Vor dem Milchgipfel machten deutsche Landwirte kräftig Druck: In fast allen Bundesländern kam es vor den Landwirtschaftsministerien zu Demonstrationen, teilte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) mit.

Die Situation der deutschen Milchviehhalter sei acht Wochen nach dem Lieferboykott noch immer sehr angespannt, hieß es. Die Milchpreise seien weiterhin "viel zu niedrig", die Produktionskosten stiegen "permanent".

Seehofer warnte die Landwirte indes vor einem neuen Lieferboykott: "Davon kann ich nur abraten", sagte er der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag.

90 Prozent der BDM-Mitglieder fordern sofortige Preisanhebung

Wie hart das morgige Gespräch werden dürfte, zeigt eine Resolution, die der BDM am Montag vorlegte. in dieser fordern die Bauern "dringend Sofortmaßnahmen zur Reduzierung der Milchproduktion sowie deren flexible Steuerung". In einer am Montag veröffentlichten Umfrage des BDM sprach sich "eine überwältigende Mehrheit" der Landwirte dafür aus, den Milchpreis so schnell wie möglich anzuheben.

Der BDM verlangt von der Bundesregierung die Abschaffung einer Regelung, nach der Milcherzeuger bei Molkereien mehr Milch anliefern dürfen als ihnen per Quote erlaubt ist. Erst dann würde das Überangebot an Milch abgebaut, und die Preise könnten steigen.

Aufgrund dieser Regelung sind laut Peters im Vorjahr 370.000 Tonnen Milch zu viel produziert worden. Die Landwirte hätten 103 Millionen Euro Strafe zahlen müssen. "Damit hat kein Milchviehhalter Geld verdient, aber das war die Hauptursache dafür, dass der Milcherzeugerpreis zusammengebrochen ist", sagte Peters. Deutschland habe in den vergangenen zehn Jahren achtmal die Quote überzogen.

Der Verband schlägt zudem eine Umlage von 0,5 Cent pro Kilogramm Milch vor, die in einen Fonds fließen soll, um etwa einen freiwilligen Lieferverzicht zu entschädigen.

Diese Forderungen unterstützten in der BDM-Umfrage 90 Prozent der Mitglieder und 80 Prozent der Nicht-Mitglieder, sagte Schaber. Teilgenommen hätten bislang 20.000 Landwirte. Die Umfrage laufe aber noch weiter.

EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boel machte den deutschen Milcherzeugern Hoffnung: "In den aktuellen Beratungen zur landwirtschaftlichen Lage werden wir eine Lösung für die kleinen Milcherzeuger finden, damit sie auch ohne Milchquoten überleben können", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Fischer-Boel forderte die Milchbauern zu einer engen Zusammenarbeit auf. Dadurch würden sie ihre Position in den Verhandlungen mit Molkereien und Handel stärken. Die Milchquoten liefen definitiv im Jahr 2015 aus, sagte sie. "Es gibt viele deutsche Milchbauern, die es gar nicht abwarten können, ihre Milchproduktion zu erhöhen und die enormen Möglichkeiten des wachsenden Weltmarktes zu nutzen", so die Kommissarin.

ssu/AFP/dpa/ddp/Reuters

Mehr lesen über