Milchpreis-Protest: 1000 Bauern belagern Aldi-Zentrale - DER SPIEGEL
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Milchpreis-Protest 1000 Bauern belagern Aldi-Zentrale

Wütender Protest gegen die Discounter: Landwirte werfen Aldi, Lidl und ihren Wettbewerbern vor, Milch zu ruinösen Ramschpreisen zu verkaufen. Am Montag demonstrierten sie vor der Zentrale von Aldi Nord.
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Essen - Bereits vor einer Woche hatten rund 400 nordrhein-westfälische Bauern vor der Zentrale des Handelsriesen Metro in Düsseldorf demonstriert. Zur Aldi-Zentrale kamen jetzt gut 1000 Landwirte.

"Wir sind heute hier, um dem drittreichsten Mann der Welt zu sagen, dass Geiz nicht geil ist", sagte der Vorsitzende des Westfälischen Landwirtschaftsverbandes, Franz-Josef Möllers, und spielte damit auf Aldi-Mitgründer Theodor Albrecht an.

Die Discounter, so der Vorwurf, drückten mit ihrem "Preisdumping" die Landwirte an die Wand. Im Schnitt werden 27 Cent pro Liter Milch an die Bauern gezahlt - so wenig wie seit 1977 nicht mehr. Die Produktion kostet dagegen rund 32 Cent pro Liter. "Die Höfe werden ruiniert", klagte ein Milchbauer. Die Demonstration stand unter dem Motto "Lebensmittel sind mehr wert! - Faire Verhandlungen und faire Milchpreise". Sie ist Teil einer bundesweiten Kampagne des Deutschen Bauernverbandes.

Aldi signalisiert Willen zum Kompromiss

Jüngere Teilnehmer der Kundgebung warfen Wasserbeutel über den Zaun auf das Gelände des Discounters. Andere Teilnehmer benutzten Trillerpfeifen, um ihre Wut auszudrücken. Mittendrin stand Milchkuh Reni. Unter ihren Hufen floss literweise ausgegossene Milch in den Rinnstein, die Bauern symbolisch verschüttet hatten.

"So kann es nicht weiter gehen. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Milchbauern im Kreis Borken liegt bei 21.000 Euro. Nötig zum Überleben wären 45.000 Euro", rechnete Hubert Seggewiss vor, ein Milchbauen aus Borken. Er ärgert sich nicht nur über Aldi & Co, sondern auch über die Politik: "Wir haben die höchsten Umweltansprüche, die höchsten Energiekosten und die beste Qualität. Nur bezahlen will das niemand." So lebten viele die Landwirte auf Kredit und von dem, was sonst noch abfällt - wie der Mastviehzucht.

Die Aldi-Konzernspitze signalisierte eine Bereitschaft zum Einlenken. Noch während der Demonstration wurde eine Delegation der Landwirtschaftsverbände zu Gesprächen in die Aldi-Zentrale gebeten. Der Discounter zeigte sich bereit, die Preise anzuheben. Allerdings nur, wenn die Endpreise der Konkurrenz dabei nicht überboten würden.

Karl Nacke von der Landwirtschaftskammer Rheinland freute sich über diesen Erfolg. "Wie viel Cent pro Liter für den Bauern schließlich bei den Verhandlungen raus kommen, müssen wir noch abwarten. Aber es ist zumindest ein erster Schritt." Falls Aldi doch nicht einlenkt, sollen die Proteste weiter gehen. "Wenn es nicht klappt, werden die Bauern noch radikaler", warnte ein Landwirt.