Milchpreise Bauern drohen mit neuem Boykott
Passau - Schütten die Bauern ihre Milch bald wieder in den Gulli? "Wenn der Milchpreis nicht nach oben geht, kann ich für nichts garantieren", sagte Romuald Schaber, der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, der "Passauer Neuen Presse".
Das Verbalgetrommel deutet an, auf welcher Basis die Verhandlungen am 29. Juni geführt werden. Vertreter der Milchindustrie, der Bauern und des Handels sollen am kommenden Dienstag zu einem Treffen bei Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) zusammenkommen.
Im Kampf um höhere Milchpreise waren viele Milchbauern Anfang Juni in einen zehntägigen Lieferstreik getreten. Mit ihren Protesten hatten sie erreicht, dass viele große Supermarktketten im Juni den Preis für einen Liter Frischmilch um sieben Cent heraufsetzten. Auch der Preis für Butter stieg in manchen Läden.
Die Preisaufschläge der Supermarktketten kommen jedoch nach Angaben des Milchindustrieverbandes (MIV) nicht bei allen Milchbauern an. So hätten Molkereien, die überwiegend Käse oder Milchpulver herstellen, von den Handelsketten nicht mehr Geld für ihre Produkte bekommen und deshalb die Zahlungen an die Bauern auch nicht erhöhen können.
Dass sich der Streit um die Milchpreise verschärft, hatte sich bereits letzte Woche abgezeichnet: Am Freitag berichtete die "Bild"-Zeitung, dass Milchbauern pro Liter Milch nur durchschnittlich 0,5 Cent mehr bekämen. Die Molkereien zahlten im Juli zwischen 30 und 32 Cent pro Liter Rohmilch, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Branchenkreise. Nach BDM-Angaben werden zwischen 28 und 35 Cent je Liter Milch bezahlt. Die Milchbauern hatten aber einen Preis von 43 Cent je Liter gefordert.
Schaber zeigte sich enttäuscht. "Wir hatten erwartet, dass die Molkereien mehr aus dem Entgegenkommen des Handels machen", sagte er "Bild". Nun müsse die Politik helfen, höhere Preise zu erzielen. Um den Milchpreis anzuheben, forderte er kurzfristig eine deutliche Verringerung der auf dem deutschen Markt verfügbaren Milchmenge.
Sollte dies nicht geschehen, schloss Schaber einen weiteren Lieferboykott nicht aus. "Wir haben mit enorm gestiegenen Kosten zu kämpfen. Wenn die Milchmenge nicht reduziert wird und die Auszahlungspreise nicht nach oben gehen, kann ich für nichts garantieren." Laut Schaber werden die Bauern "dann von selbst wieder loslegen, ob es passt oder nicht. Wir werden uns dauerhaft nicht mit durchschnittlichen Auszahlungspreisen von weniger als 43 Cent zufrieden geben."
Kritik übte der Vorsitzende der deutschen Milchbauern am Deutschen Bauernverband: "Die Politik ist nicht das Problem, sondern der Deutsche Bauernverband. Der hat bisher jede Unterstützung für uns vermissen lassen", sagt Schaber. Der Bauernverband setze darauf, die Steuerung des Marktes in die Hand der Molkereien zu geben. "Für uns Milcherzeuger wäre das der Gau."
ssu/AP/AFP/ddp
Korrektur: In einer früheren Fassung dieses Artikels war davon die Rede, dass Vertreter der Milchindustrie, der Bauern und des Handels am kommenden Dienstag zu einem Treffen bei Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) zusammenkommen. Das ist falsch: Das Treffen findet am 29.7. statt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.