Milchpreise: DIW-Konjunkturchef vermutet Preisabsprache - DER SPIEGEL
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Milchpreise DIW-Konjunkturchef vermutet Preisabsprache

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt nicht, dass die Teuerungswelle bei Lebensmitteln als unabwendbares Schicksal über die Einzelhändler hereingebrochen ist. Die Experten vermuten vielmehr eine Preisabsprache der großen Ketten.
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Frankfurt am Main - DIW-Konjunkturchef Alfred Steinherr sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", die Gründe für den Anstieg bei Milchprodukten hingen nicht in einer plötzlich gestiegenen Nachfrage in Asien zusammen. Diese habe seit Jahren zugenommen, ohne dass es in Europa zu einem Anstieg der Preise gekommen sei. Darum dränge sich der Verdacht auf, "dass sich einige große Anbieter zusammengetan haben, um die Preise abzusprechen".

Steinherr geht dem Bericht zufolge nicht davon aus, dass sich die angekündigten Preiserhöhungen von bis zu 50 Prozent bei Milchprodukten auf Dauer durchsetzen lassen. Mit dem Konkurrenzspiel am europäischen Markt und dem Gegensteuern der EU-Agrarpolitik ließe sich in diesem Jahr allenfalls eine Preiserhöhung von fünf Prozent durchsetzen.

Derweil berichtet die "Welt am Sonntag", dass Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) den Preisruck in der kommenden Woche überprüfen lassen wolle. Aus seinem Ministerium war dafür heute zunächst keine Bestätigung zu erhalten.

Der Marktforschungsleiter der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP), Paul Michels, wies in der "WamS" auf die besondere Bedeutung von Milch und Butter in der Wahrnehmung der Verbraucher hin. Beide Produkte seien sogenannte Eckartikel, "an deren Preisniveau sich Verbraucher ein Bild von der Preiswürdigkeit einer Einkaufsstätte bilden".

Eckartikel sind nach Michels Worten häufig gekaufte Standardwaren, die unter den verschiedenen Handelsketten vergleichbar sind. In der Wahrnehmung der Kunden bedeute der Eckartikel-Effekt: Wo die Milch günstig sei, bekomme man zum Beispiel auch günstige Tiefkühlpizza.

mik/AP