MilitAirbus: Knockout für US-Triebwerksbauer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

MilitAirbus Knockout für US-Triebwerksbauer

Bei den Mitarbeitern von MTU und Rolls-Royce in Brandenburg kam heute Feiertagstimmung auf. Der Flugzeugbauer Airbus hat sich nach erheblichem politischen Druck aus Frankreich doch entschieden, den Militärtransporter A400M mit einem Triebwerk aus europäischer Produktion auszustatten und nicht mit dem der nordamerikanischen Konkurrenz.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Mit dem Auftrag würden Hunderte von hochqualifizierten und zukunftssicheren Arbeitsplätzen geschaffen beziehungsweise gesichert, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). "Weitere Arbeitsplätze werden in Zuliefer- und Serviceunternehmen im Umfeld entstehen."

Anlass zu der Feier gab die Entscheidung der Airbus-Manager, den Auftrag zur Entwicklung und zum Bau der Triebwerke für den A400M an das europäische EPI-Konsortium zu vergeben. Der Co-Präsident des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, Philippe Camus, hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die Würfel gefallen seien und der Vertrag in den kommenden Tagen wirksam werden könnte. Danach votierte der EADS-Verwaltungsrat einstimmig für das europäische TP400-D6 genannte Triebwerk. Es wird nach den Angaben von Airbus Military das stärkste Turbo-Prop-Triebwerk sein, das je in der westlichen Welt gebaut worden ist. EADS hält 80 Prozent an Airbus.

Damit hat sich das europäische Konsortium nach monatelangem Ringen gegen die nordamerikanische Konkurrenz von Pratt & Whitney durchgesetzt. In dem langen Tauziehen um das Milliarden-Geschäft soll das Konsortium EuroProp International (Rolls-Royce, MTU in Deutschland, die französische Snecma und die spanische ITP) seinen Preis für das leistungsstarke Triebwerk um 20 Prozent gesenkt haben und damit mit dem Angebot seines Konkurrenten gleichgezogen haben, heißt es in einem Bericht der Pariser Tageszeitung "Le Monde".

In die Entscheidung um das Triebwerk hatte sich Anfang Mai auch der französische Präsident Jacques Chirac eingemischt und sich damit auch gegen den französischen Airbus-Chef Noël Forgeard gestellt. Nach seiner Ansicht sei für den A400M allein ein europäisches Triebwerk akzeptabel.

Auch die Bundesregierung hatte zwar aus strategischen und industriepolitischen Gründen für eine europäische Triebwerklösung beim derzeit größten europäischen Rüstungsprojekt plädiert. Doch angesichts der höheren Kosten waren Bedenken gegen eine Intervention laut geworden. Außerdem wurde der Effekt für den Arbeitsmarkt angesichts entsprechender mündlicher Zusagen von Pratt & Whitney in Deutschland bei beiden Angeboten etwa gleich eingeschätzt.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hatte dem Konsortium wegen der "politischen Dimension" des Geschäfts eine zusätzliche Woche Zeit eingeräumt, das eigene Angebot zu überdenken. Airbus neige zu der besseren Offerte der kanadischen Tochter des US-Unternehmens Pratt & Whitney, doch könnte ein sehr viel günstigeres (EPI-)Angebot Airbus noch umstimmen, hatte Konzern-Chef Forgeard am 1. Mai erklärt. Sieben europäische Länder haben insgesamt 180 Maschinen des Typs bestellt. Die ersten A400M sollen im Jahr 2009 ausgeliefert werden.