Milliardär Winnick Die milde Gabe des Abzocker-Königs
Washington - Der überraschende Befreiungsschlag passte zu Gary Winnick. 25 Millionen Dollar werde er aus seinem Vermögen in den Pensionsfonds seiner Angestellten einzahlen, versprach der Global Crossing-Chef während der Anhörung den verblüfften Mitgliedern des Kongressausschusses für Energie und Handel. Er wolle damit denen helfen, die nach der Pleite von Global Crossing teilweise die komplette Altersvorsorge verloren hatten.
Der Mann kann es sich leisten. 734 Millionen Dollar hat Winnick verdient, als er Aktien an seinem Unternehmen rechtzeitig verkaufte. Dem Global-Crossing-Chairman war offenbar bewusst, dass der Konzern auf den Bankrott zusteuerte. Die Anleger ahnten davon nichts - ebensowenig wie die Angestellten, die ihr Geld in den firmeneigenen Pensionsfonds investiert hatten. Seit der Pleite sind ihre Fondsanteile wertlos. Die Rentenkassen US-amerikanischer Unternehmen sind rechtlich nicht abgesichert.
Während seiner Vernehmung handelte Winnick nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung". Im einen Moment hatte die Jury noch der Zeugenaussage einer ehemaligen Global-Crossing-Angestellten gelauscht, die wie Tausende anderer nach der Pleite finanziell ruiniert ist. Da machte der Manager, unter dessen Führung 54 Milliarden Dollar Aktienkapital vernichtet wurden, unerwartete seine Millionen-Offerte: "Ich appelliere auch an andere CEOs und Unternehmensführer der Telekommunikationsbranche, aufzustehen und einen Scheck auszuschreiben." Und weiter: "Das einzige, was ich diesem Planeten an Erbe hinterlassen werde, ist mein Name."
Die milde Gabe und die pathetischen Worte ihres ehemaligen Chefs muss die ruinierte Angestellte wie Hohn empfunden haben. Schließlich werfen die New Yorker Staatsanwaltschaft und die amerikanische Börsenaufsicht SEC Winnick vor, seit dem Jahr 2000 die Umsätze des Unternehmens Global Crossing durch leere Tauschaktionen aufgeblasen zu haben, um die Krise des Konzerns zu verschleiern.
Bisher hat Gary Winnick, von seinen einstigen Bewunderern inzwischen mit dem Spitznamen "Scary" (furchterregend) belegt, nicht viel Sensibilität bewiesen. Der Pleitemanager lebt weiter im angeblich teuersten Wohnhaus der USA, einem 64-Zimmer-Palast namens "Casa Encantada", in Bel Air. Kaufpreis des Prachtbaus: 92 Millionen Dollar.
Großzügig ist Winnick immer dann, wenn es ihm nützt. Der Verkäufersohn aus New York war einer der spendabelsten Konzernherren der USA - zumindest, wenn es um Spendenschecks für Politiker ging. 2,8 Millionen Dollar gab Global Crossing im Wahlkampfjahr 2000 sowohl an Demokraten als auch an Republikaner - mehr noch als der Energiekonzern Enron. Winnick spielte mit Bill Clinton Golf; eine Rede des ehemaligen Präsidenten George Bush Senior honorierte er mit Aktienoptionen.
Wann Winnick die 25 Millionen Dollar an den Rentenfonds überweisen will, ist noch nicht bekannt. Sein Mandant habe sich über den Zeitpunkt noch keine Gedanken gemacht, sagte Winnicks Anwalt. Möglicherweise könnte es noch etwas dauern: Die Staatsanwaltschaft überlegt, das Vermögen des Skandalmanagers einzufrieren