Milliarden-Offerte Großangriff auf Micky Maus
New York - "Durch den Zusammenschluss würde ein Unternehmen mit einer einzigartigen Position im Markt entstehen", schrieb Roberts. "Disney bekäme die Möglichkeit, seine ehrgeizigen Ziele bei Produktion und Vertrieb seiner Produkte zu verwirklichen." Als integriertes Unternehmen könne man den Herausforderungen der jeweiligen Wettbewerber besser begegnen.
Mit dem Angebot ging Roberts heute völlig überraschend an die Öffentlichkeit. Unglücklicherweise, so Roberts, habe Eisner keinerlei Bereitschaft erkennen lassen, über einen Zusammenschluss zu diskutieren. "Uns bleibt unter diesen Bedingungen nur der Weg eines öffentlichen Angebots", schrieb Roberts.
Durch eine Fusion würden Comcast und Disney zu einem der größten Medien-Konzerne der Welt aufsteigen - auf Augenhöhe mit Giganten vom Schlage Time Warner, New corp. oder Bertelsmann. Time Warner, der amerikanische Medienriese Viacom und die News Corp. haben neben ihren Filmstudios auch große Kabelfernseh- und TV-Töchter. Dieser Verbund fehlte Comcast bisher.
0,78 eigene Aktien wolle Comcast für jede Disney-Aktie bieten. Aus dem Übernahmeangebot errechnet sich auf Basis des gestrigen Comcast-Schlusskurses (32,94 Dollar) ein Wert pro Disney-Aktie von 25,69 Dollar. Das gesamte Transaktionsvolumen schließe die angenommenen Schulden von Disney von 11,9 Milliarden Dollar ein.
Die Anleger reagierten schnell auf die sich anbahnende Übernahmeschlacht. Die Aktien von Walt Disney stiegen im außerbörslichen Handel auf dem "Island"-System auf 27,30 Dollar. Gestern hatten sie noch bei 24,08 Dollar geschlossen. In Europa reagierten Aktien von Medienunternehmen wie ProSiebenSat.1 Media und Vivendi Universal mit kräftigen Kursgewinnen auf die veröffentlichten Übernahmepläne.
Zum Disney-Konzern gehören die gleichnamigen Filmstudios, der Fernsehsender ABC, der Sportkanal ESPN und die Disney-Freizeitparks. Comcast zählt 21 Millionen Kabel-TV-Kunden. Das feindliche Übernhameangebot kommt für den Fantasy-Konzern zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Disney-Chef Eisner sieht sich zurzeit heftigen Angriffen von Seiten des Disney-Neffen Roy Disney und des ehemaligen Direktors Stanley Gold ausgesetzt. Die beiden Ex-Direktoren werfen Eisener vor, den Konzern durch jahrelanges Missmanagement in die tiefste Krise seiner Geschichte manoviert zu haben.
Comcast hatte sich 2003 durch den Aufkauf der Kabelfernsehsparte der Telefongesellschaft AT&T zum größten US-Kabelfernsehbetreiber vor Time-Warner emporgearbeitet. Der Kabelanbieter hat 26 Millionen Kunden, fünf Millionen haben eine schnelle Breitbandverbindung ins Internet abonniert.