Milliarden-Paket Finanztitel im Dax schnellen nach oben
Frankfurt am Main/Shanghai - "Erholung nach dem Blutbad", überschrieb die Schweizer Bank Vontobel ihren morgendlichen Marktkommentar. In den ersten Handelsstunden der neuen Woche konnte der Dax seinen Verlust vom vergangenen Freitag nahezu wettmachen und notierte inzwischen bei 4827 Punkten. Ein zweistelliges Plus verbuchten die Finanztitel Hypo Real Estate , Commerzbank und Deutsche Bank .
Wertpapierhändler: Rechnen mit nervöser Stimmung
Foto: DDPDer Swiss Market Index (SMI ) verbesserte sich in den ersten Handelsminuten um 6,4 Prozent auf 5689 Punkte, auch dort gehörten die Finanzwerte zu den Gewinnern. Credit Suisse schossen um 19,7 Prozent in die Höhe. Swiss Re verbesserten sich um 14,2 Prozent. Für Julius Bär wurden 11,6 Prozent mehr als am letzten Freitag notiert. UBS eröffneten mit einem Kursgewinn von 10,9 Prozent.
Analysten rechnen mit weiter nervösen Börsen
Marktbeobachter warnten allerdings vor zu viel Euphorie. Es bleibe abzuwarten, wie nachhaltig die beschlossenen Maßnahmen der Regierungen der Eurozone seien, schrieben Vontobel-Experten. Auch die Zürcher Kantonalbank rechnete vorerst mit einem Anhalten der nervösen Börsenstimmung.
Zur Vorsicht raten auch die Aktienstrategen der LBBW. Zwar böten sich langfristig orientierten Investoren auf dem stark gedrückten Kursniveau vereinzelt attraktive Kaufgelegenheiten. Ein allgemeiner Einstieg sei angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen aber noch mit zu großen Risiken behaftet. Mit der Fortsetzung der aktuellen Berichtssaison, die auch die Veröffentlichung neuer Bankenbilanzen erwarten lasse, blieben die Kursschwankungen hoch.
Die Analysten der WGZ-Bank halten die Abwärtsrisiken in Anbetracht der bevorstehenden Berichtssaison ebenfalls für hoch. Ein kurzfristiges Ende der Bankenkrise, die im Wesentlichen eine Vertrauenskrise sei, könne nicht erwartet werden. Allein die nächsten Quartalsberichte der Banken werden mit neuen hohen Belastungen in Form von Abschreibungen versehen sein.
In Russland öffneten die Börsen am Montag erstmals wieder, nachdem der Handel dort in der vergangenen Woche ausgesetzt worden war. Der Micex-Index verbuchte zunächst Gewinne von 3,9 Prozent, der RTS-Index verlor 1,0 Prozent.
Asiatische Börsen mit Gewinnen
Auch die asiatischen Handelsplätze lagen überwiegend im Plus. In Tokio blieb der Aktienhandel wegen eines Feiertags geschlossen. In Hongkong legte der Hang Seng bis zum Nachmittag (Ortszeit) um fast sieben Prozent zu. Vor allem Finanztitel legten deutlich zu. Die Papiere der China Construction Bank gewannen zwölf, die des Versicherers Pin An verteuerten sich um 16 Prozent. Auch Titel außerhalb der Finanzbranche profitierten vom Aufwärtstrend. Der Ölkonzern Sinopec gewann 17,5 Prozent, PetroChina 11,7 Prozent und China Communication Services 17,8 Prozent.
Die Börse in Shanghai drehte nach anfänglichen Verlusten ins Plus. Am Ende schloss der Leitindex SSEC 3,7 Prozent fester bei 2073 Punkten. Die Papiere der größten Bank des Landes, der Industrial & Commercial Bank of China , gewannen 7,5 Prozent. Shenzhen Development Bank legte um zehn Prozent zu - die festgelegte Obergrenze für Tagesgewinne in Shanghai. Beflügelt wurden die Bankentitel dabei auch von Spekulationen, der chinesische Staatsfond Central Huijin könnte erneut Aktien von Finanzinstituten kaufen um die Märkte zu stärken.
Dow-Futures im Plus
In Australien stieg der Aktienindex S&P/ASX200 am Montag um rund fünf Prozent, nachdem das Börsenbarometer am Freitag noch um über acht Prozent gefallen war. Die Anleger honorierten damit einen Plan der Regierung, die Einlagen bei Banken drei Jahre lang zu garantieren.
An der Wall Street signalisierten steigende Kurse von Indexoptionsscheinen eine Trendwende. Die Dow-Jones-Futures legten um 2,8 Prozent auf 8605 zu. Der Dow Jones war am Freitag um 1,5 Prozent auf 8451,49 gefallen. In den vergangenen acht Handelstagen hat der US-Leitindex 22,1 Prozent an Wert verloren. Seit dem Rekordhoch von 14.164,53 am 9. Oktober 2007 betrugen die Einbußen sogar 40,3 Prozent.
Einige Börsianer wie David Kotok von der Firma Cumberland Advisors äußerten die Erwartung, dass der Aktienmarkt jetzt seinen Boden gefunden habe. Andere Experten waren hingegen weniger optimistisch und wiesen auf den Crash von 1987 hin. Damals stürzte der Aktienmarkt nach Zwischenphasen der Erholung immer wieder in ein neues Tief.
mik/AP/dpa-AFX/Reuters