Milliardengebot Deutsche Börse attackiert Briten
Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse habe ein Angebot über 5,30 Pfund je Aktie in bar vorgelegt, teilte die LSE am Montagmorgen mit. Das entspricht 1,8 Milliarden Euro. Das Board der LSE hat die Offerte zunächst abgelehnt. Der gebotene Preis sei zu niedrig und die möglichen Synergien zu klein.
Die London Stock Exchange (LSE) hat aber Gesprächen über eine Verbesserung des Angebots zugestimmt. Nun sollen neue Gespräche über eine "abgestimmte Transaktion" aufgenommen werden, hieß es auch in einer Mitteilung der Deutschen Börse.
Die Deutsche Börse will im Fall einer Übernahme die Marktmodelle, Handelswährungen und die regulatorischen Rahmenbedingungen in London beibehalten. Dafür würden die Gebühren im elektronischen Handel deutlich gesenkt. Die LSE, die fusionierte Börse Euronext in Amsterdam, Brüssel und Paris und die Deutsche Börse sind die drei größten europäischen Handelsplätze - über die genaue Reihenfolge entscheidet das jeweilige Vergleichskriterium.
Die Deutsche Börse versucht seit langem, die Konsolidierung des europäischen Börsensektors voranzutreiben. Im Sommer war sie am Widerstand der Schweizer Banken mit dem Plan einer Übernahme der Schweizer Börse SWX gescheitert. Im Jahr 2000 hatten die Frankfurter und die Londoner Börse schon einmal kurz vor der Fusion zur "IX-International Exchanges" gestanden. Das Projekt scheiterte an Vorbehalten lokaler Banken und Broker.
Die Londoner Börse gilt als Übernahmekandidat, weil sie ausschließlich den klassischen Wertpapierhandel betreibt, während die Deutsche Börse auch im Termingeschäft sowie der Abrechnung von Transaktionen und der Aufbewahrung von Wertpapieren aktiv ist.
Die Aktien der LSE haben in den vergangenen Wochen auf Grund von Spekulationen über ein mögliches Angebot der Deutschen Börse deutlich an Wert gewonnen.
Die Aktie der Deutschen Börse hat sich am Montag leichter entwickelt. Gegen 10.20 notierte sie bei 42,49 Euro, ein Minus von 3,6 Prozent. Damit führte die Aktie die Liste der Verlierer im Dax 30 an.