Milliardenverluste: Börsianer strafen Infineon ab - DER SPIEGEL
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Milliardenverluste Börsianer strafen Infineon ab

Die Milliardenverluste des Chipkonzerns Infineon schockieren die Anleger, der Aktienkurs stürzt dramatisch ab. Und der Ausblick fürs kommende Jahr ist düster: Kaum etwas spricht dafür, dass das Unternehmen 2009 die Wende schafft.
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Frankfurt am Main - Schwarzer Börsentag für Infineon: Die Aktien des Chipkonzerns sind am Mittwoch nach der Bilanzvorlage um rund 25 Prozent eingebrochen. Zuvor hatte das Münchner Unternehmen eine ernüchternde Jahres- und Quartalsbilanz präsentiert. Der Dax   notierte zeitglich rund zwei Prozent im Minus.

In dem Ende September abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal stieg der Verlust von 280 Millionen im Vorjahr auf 763 Millionen Euro. Einzig der Umsatz verbesserte sich von 1,029 Milliarden Euro auf 1,153 Milliarden Euro. Das gesamte Geschäftsjahr schloss der Konzern mit einem Fehlbetrag von 3,12 Milliarden Euro ab.

Vor allem der Ausblick fiel miserabel aus. In Folge der globalen Finanzkrise und der generellen Abschwächung der weltweiten Konjunktur gebe es "beträchtliche Auswirkungen" auf die Nachfrage in allen Zielmärkten, erklärte das Unternehmen.

Besonders die Nachfrage aus der Autoindustrie werde voraussichtlich weiter einbrechen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2009 erwartet Infineon einen Umsatzrückgang gegenüber dem Geschäftsjahr 2008 um mindestens 15 Prozent, allein im ersten Quartal werde der Umsatz im Vorjahresvergleich wohl um 30 Prozent schrumpfen. Das Gesamtergebnis für das Jahr 2009 werde voraussichtlich negativ ausfallen.

Entsprechend enttäuscht zeigen sich die Beobachter: "Auch wenn überhaupt nichts Gutes erwartet wurde, ist die Bilanz doch noch schlechter." Ein anderer Börsianer wertete die Zahlen als "schlecht wie immer", nachdem Infineon nun schon fast traditionell Verluste mache.

"Der Ausblick für das erste Quartal und das Geschäftsjahr waren ein Desaster", urteilten die Analysten der LBBW. Bernd Laux von Cheuvreux sprach von "erträglichen Zahlen mit einem schrecklichen Ausblick". Auch UniCredit-Analyst Günther Hollfelder sagte, der Ausblick für das erste Geschäftsquartal sei klar schlechter als bisher prognostiziert. Während Wettbewerber ihre Ziele erfüllen dürften, werde sich Infineon mit Blick auf die Verkäufe unterdurchschnittlich entwickeln.

Infineon leidet damit weiter unter dem Preisverfall bei seinen Produkten. Hinzu kommen hohe Kosten für den laufenden Stellenabbau. Vor allem aber belastet die kriselnde Speicherchip-Tochter Qimonda das Zahlenwerk. Es sei nicht sichergestellt, dass die aktuellen Maßnahmen Qimonda in die Lage versetzen würden, ihre Verpflichtungen zu erfüllen, erklärte der Konzern. "Für den Fall, dass Qimonda seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, könnte Infineon bestimmten erheblichen Verbindlichkeiten des Qimonda-Geschäfts ausgesetzt sein", warnte der Chiphersteller vor weiteren Belastungen.

Seine Pläne, die ungeliebte Tochter, die Infineon seit längerem erfolglos zu verkaufen versucht, notfalls bei der nächsten Hauptversammlung als Sachdividende an die Aktionäre zu verschenken, hat das Unternehmen aufgegeben. Angesichts des Kursniveaus sei dies keine sinnvolle Maßnahme mehr. Es gebe allerdings keine Sicherheit, dass der Verkauf gelingen werde, erklärte Infineon.

Um die drohende harte Zeit zu überstehen, will Infineon sein Sparprogramm über die bereits angekündigten 200 Millionen Euro bis Ende des Geschäftsjahres 2009 ausweiten. Einen wirklichen Effekt erwartet das Unternehmen aber nicht und ließ wissen, der wahrscheinliche Umsatzrückgang werde die Bemühungen zunichte machen. Im Gegenteil könne es sogar zu höheren Kosten durch die geringere Auslastung der Werke kommen sowie zu weiteren Aufwendungen für das Sparprogramm. Im vierten Quartal hatte Infineon bereits 166 Millionen Euro an Lasten verbuchen müssen. Insbesondere der Abbau von 3000 der 30.000 Stellen schlug sich negativ nieder.

suc/dpa-AFX/dpa/Reuters/AFP/AP

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