Milliardenverluste Finanzkatastrophe bei der Bahn
Frankfurt/Main - Wegen des Finanzdebakels muss der für 2004 geplante Börsengang verschoben werden. Der Konzern bestätigte die vom SPIEGEL genannten Zahlen nicht. Mehdorn beklagte jedoch, trotz seiner im Grundgesetz verankerten Zuständigkeit habe der Bund nie vollständig die zugesagten zehn Milliarden Mark pro Jahr für Schieneninfrastruktur gezahlt.
Verkehrsminister Reinhard Klimmt sagte am Samstag in der ARD, es gehe im schlimmsten Fall um Planabweichungen von bis zu 17 Milliarden Mark: "Wir müssen erkennen, dass die Hoffnungen, dass wir 2004 mit einer prächtig dastehenden Bahn an die Börse gehen zu können, getrogen haben." Das entscheidende Ziel sei Wirtschaftlichkeit und nicht der Börsengang, fügte der SPD-Politiker im ZDF hinzu. Er wies darauf hin, dass die Bahn in den nächsten drei Jahren jeweils zwei Milliarden Mark mehr aus der Staatskasse bekommen werde als ursprünglich vorgesehen.
Dem Bahnchef wurde laut "Bild am Sonntag" vor wenigen Tagen eine Analyse vorgelegt, aus der hervorgeht, dass Bahn-Manager jahrelang dringend notwendige Investitionen in den Bereichen Schienenetz, Loks und Wagen unterließen. "So wurde die Bilanz jedes Jahr schön gerechnet", sagte ein ranghoher DB-Mitarbeiter der Zeitung.
Krisengipfel beim Kanzler
Der "Leipziger Volkszeitung" zufolge soll in den nächsten 14 Tagen ein Krisengipfel stattfinden, an dem Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie Vertreter der Bahn und der Koalition teilnahmen werden. Ein solches Treffen forderte auch der Fahrgastverband Pro Bahn: Es müsse über die Abschaffung von Wettbewerbsnachteilen der Bahn gegenüber anderen Verkehrsträgern sowie über die Finanzierung des Schienenwegenetzes gesprochen werden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, sagte im ZDF, der Eigentümer des Unternehmens werde noch "nachschießen" müssen, wenn die Bahn nicht zerschlagen werden solle.
Laut dem "Handelsblatt" kommt der Verkehrsbericht, der am kommenden Mittwoch im Kabinett vorgestellt werden soll, zu dem Ergebnis, dass die Bahn derzeit keinesfalls die beabsichtigte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene leisten kann. Falls es nicht mehr Geld für Investitionen gebe, drohe der Anteil der Bahn am Gütertransport bis 2015 von bisher 19,6 Prozent auf 16,3 Prozent zu sinken.