Millionen-Spiel Springer soll Kirch die Schulden stunden
München - Bei geschätzten sechs Milliarden Euro Gesamtschulden und 2,5 Milliarden Euro weiteren Verbindlichkeiten kann Kirch keine großen Sprünge machen. Seit Wochen gibt deshalb es Medienberichte, wonach Kirch mit Springer über den Aufschub der einer Optionszahlung verhandelt. Springer hat das Recht, Ende Januar seinen 11,5-Prozent-Anteil an Kirchs ProSiebenSat.1 Media für 766 Millionen Euro an Kirch zurückverkaufen. Offenbar würde die Zahlung Kirch vor größere Probleme stellen.
Das Hamburger Verlagshaus hat nun anscheinend signalisiert, dass die Option verlängert werden soll, damit Kirch Raum zum Atmen gewinnt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur vwd unter Berufung auf Münchner Finanzkreise. Sowohl die KirchGruppe als auch der Springer Verlag wollten sich allerdings offiziell nicht zum Stand des Verfahrens äußern. "Die Gespräche laufen zurzeit", sagte ein Kirch-Sprecher lediglich. Ebenso wollte er nicht aufeinen Bericht der "Financial Times" eingehen, dem zufolge eine Neuregelung in den nächsten zwei Wochen erfolgen soll. Reuters berichtet hingegen, Springer drohe weiterhin damit, die Option auszuüben. Allerdings sei dies wahrscheinlich nur ein Druckmittel, um von Kirch bessere Konditionen zu erzwingen.
Der Springer-Verlag könnte das Geld aus der Optionszahlung gut gebrauchen. Erstmals in seiner Geschichte rechnet er für das vergangene Geschäftsjahr mit einem Verlust. Springer dürfte freilich kein Interesse haben, seinen Großaktionär durch die Ausübung der Option in eine Krise zu stürzen: Kirchs Medienkonzern ist mit rund 40 Prozent an dem Hamburger Verlagshaus beteiligt. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Wenn es Springer schlecht geht, leidet auch Kirch. Zum Beispiel dann, wenn Springer keine oder weniger Dividende zahlt.
Nach Einschätzung von Analyst Peter-Thilo Hasler von der HypoVereinsbank wäre es für die KirchGruppe eine Möglichkeit, die Ausübung der Option auf die Zeit nach der für Juni 2002 geplanten Verschmelzung der ProSiebenSAT.1 Media mit der KirchMedia zu verschieben.
Als eher unwahrscheinlich gilt nach Einschätzung Haslers, dass sich Kirch von seiner Beteiligung an Springer trennt. Immerhin wäre der derzeitige Wert seines Anteils mit rund 790 Millionen Euro etwa mit dem Fixpreis für das Springer-Paket an der ProSiebenSAT.1 Media vergleichbar. Das Engagement Kirchs bei dem Verlag gilt aber als wichtige strategische Beteiligung.
Die "Financial Times" ("FT") notiert anerkennend, die Stundungsgespräche bewiesen abermals Kirchs Talent für erfolgreiche Umschuldungen. Zuvor hatte schon die Dresdner Bank einen Kredit über 460 Millionen Euro, der eigentlich Anfang Januar fällig geworden wäre, bis April verlängert. Es sei daher wahrscheinlich, dass die KirchGruppe trotz aller Unkenrufe ihre Unabhängigkeit bewahren werde, urteilt die "FT".
Die größte Gefahr für Kirch bleibt aber eine andere Option, die erst im Oktober fällig wird. Rupert Murdoch besitzt eine 22-Prozent-Beteiligung an Kirchs Pay-TV-Kanal Premiere World. Wenn Murdoch Kirch zwingt, diesen Anteil im Herbst für rund 1,5 Milliarden Euro zurückzukaufen, dürfte das die Münchner in gravierende Liquiditätsprobleme stürzen.
Murdoch setzt dieses Verkaufsrecht weiterhin als Druckmittel ein. Vor knapp zwei Wochen hatte er öffentlich darüber philosophiert, dass er das Management bei Premiere übernehmen könnte. Daraufhin seien Kirch und seine Manager zu einem geheimen Treffen mit Murdoch nach London geflogen, berichtet das britische Blatt.