Millionenbetrüger: Balsam-Finanzchef verhaftet - DER SPIEGEL
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Millionenbetrüger Balsam-Finanzchef verhaftet

Jahrelang wurde gerätselt, ob er tot ist oder einfach nur untergetaucht. Jetzt steht es fest: Der flüchtige Finanzchef des bankrotten Sportbodenherstellers Balsam, Klaus-Detlev Schlienkamp, versteckte sich im Ausland. Zielfahnder des Bundeskriminalamts haben den Manager auf den Philippinen verhaftet.
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Bielefeld - Es war einer der schwersten Fälle von Wirtschaftskriminalität in der deutschen Geschichte. Über Jahre hinweg wurden bei der Balsam AG Auftragsbestätigungen nach oben "korrigiert", um diese dann von dem Inkassounternehmen Procedo vorfinanzieren zu lassen. 1994 flog das Schneeballsystem auf. Insgesamt entstand den Gläubigern ein Schaden von 2,7 Milliarden Mark.

Jetzt haben Fahnder des Bundeskriminalamtes den letzten Verantwortlichen für den Miiliardenschwindel geschnappt. In der Nacht zum Dienstag seien vier deutsche Beamte in die angemietete Wohnung Schlienkamps auf der philippinischen Insel Cebu eingedrungen, teilte Oberstaatsanwalt Heinrich Rempe in Bielefeld mit. Der Manager habe keinen Widerstand geleistet.

Ob Schlienkamp an Deutschland ausgeliefert werde, stehe allerdings noch nicht fest. Mit den Philippinen gebe es kein offizielles Auslieferungsabkommen, sagte Rempe. Schlienkamp war den Informationen zufolge am 17. Januar 1999 eingereist. Er sei dort mit einer Einheimischen verheiratet, obwohl seine Ehe in Deutschland nach wie vor bestehe.

Schlienkamp legte als einziger Manager des Sportbodenherstellers Balsam ein umfassendes schriftliches Geständnis ab und kündigte seinen Selbstmord an. Dann verschwand er im November 1998 plötzlich von der Bildfläche. Im September 1999 verurteilte das Landgericht Bielefeld den flüchtigen Finanzvorstand nach dreieinhalb Jahren Verhandlungsdauer zu zehn Jahren Haft. Firmen-Chef Friedel Balsam muss für acht Jahre hinter Gitter.

"Der Mammutprozess offenbarte, dass deutsche Gerichte selbst bei sorgfältigster Arbeitsweise überfordert sind, komplexe Betrügereien von Spitzenmanagern aufzuklären", urteilte der SPIEGEL. In der Balsam AG sei so filigran mit Luftbuchungen, gefälschten Belegen und Urkunden jongliert worden, dass selbst der vom Gericht eingesetzte Wirtschaftsprüfer nicht mehr durchblickte. Kleinlaut habe der bestellte Sachverständige seinen Vortrag vor Gericht nachträglich in mehreren Punkten revidieren müssen, berichtete der SPIEGEL aus dem Gerichtssaal.