Millionendeal Russen übernehmen deutsche Großwerften
Wismar Die Norweger ziehen sich zurück. Bisher wurden die beiden Werften vom Schiffbauer Aker Yards kontrolliert doch der hat nun die Mehrheit an russische Finanzinvestoren verkauft. Aker bekommt laut eigener Mitteilung für 292 Millionen Euro 70 Prozent an den Werften. Auch eine dritte Werft in Nikolaev in der Ukraine wechselt den Besitzer. Käufer ist laut Aker die Firma FLC West, eine Investmentgesellschaft.
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Verkaufs stieg die Aker-Aktie an der Börse in Oslo um mehr als 25 Prozent.
Hinter der russischen FLC West stehen nach Angaben von Aker der staatlich kontrollierte Fonds FLC sowie ein zyprischer Fonds, der seinerseits von russischen Aktionären kontrolliert wird. Ziel von FLC sind demnach Investitionen in Industrien von strategischer Bedeutung. Die beiden Schiffswerke sollen vor allem Öl- und Gastanker sowie Spezialschiffe für das Eismeer für russische Reeder liefern.
Aker behält 30 Prozent der Anteile. Der Verkauf der Anteile wird sich nach Aker-Darstellung zunächst nicht auf die Zahl der Beschäftigten oder auf die Löhne auswirken. In Warnemünde und Wismar arbeiten derzeit 2300 Schiffbauer.
Aker sucht nach schlechter Jahresbilanz Auswege
Die beiden ostdeutschen Werften waren nach 1990 mit Milliardensubventionen saniert und marktfähig gemacht worden. Nach einem ersten gescheiterten Verkauf an die Bremer Vulkan-Werft Mitte der neunziger Jahre wechselten die ostdeutschen Werften mehrfach den Eigentümer. Zum Aker-Konzern gehören derzeit weltweit 18 Werften mit 21.000 Beschäftigten.
Angesichts der vollen Auftragsbücher der Werften in Wismar und Warnemünde hat die IG Metall Küste vor "unnötiger Hektik" beim Verkauf an den russischen Investor gewarnt. "Wir müssen uns zunächst ansehen, warum der Investor die Werft kauft", sagte der zuständige IG-Metall-Geschäftsführer Thomas Rickers. "Für eine Heuschrecke mit dem bekannten Gebaren ist eine deutsche Werft nicht interessant."
Er gehe davon aus, dass FLC West in Kürze den Aufsichtsrat über die Entwicklung informieren werde, sagte Rickers. "Wir wissen, dass unsere Arbeitsplätze immer in Gefahr sind, wenn Finanzjongleure Monopoly spielen." Die IG Metall werde deshalb wachsam sein.
Mitte vergangener Woche waren Gerüchte über den bevorstehenden Verkauf der deutschen Werften aufgetaucht. Als Grund wurde die schlechte Bilanz des norwegischen Mutterkonzerns vermutet. Rote Zahlen hatte es beim Bau von Kreuzfahrtschiffen auf den finnischen Tochterwerften sowie beim Schiffbau im norwegischen Florø gegeben. Über die Lage auf den mit Gewinn operierenden Werften in Mecklenburg-Vorpommern hatte Aker-Sprecher Torbjørn Andersen gesagt, dass sich dort die Strategie mit dem Bau von Spezialschiffen positiv ausgewirkt habe. Aker hatte sich wegen der schlechten Bilanz Anfang März von Vorstandschef Yrjö Julin getrennt.
itz/AP/AFP/dpa