Missmanagement: Siemens meldet massiven Gewinneinbruch - DER SPIEGEL
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Missmanagement Siemens meldet massiven Gewinneinbruch

Siemens präsentiert eine gemischte Bilanz: Trotz des Bestechungsskandals konnte der Technologiekonzern den Umsatz im zweiten Quartal leicht steigern. Der Gewinn brach trotzdem massiv ein - wegen des Missmanagements bei der Abwicklung verschiedener Großprojekte.
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München - Die Münchener wollen nun im Gesamtjahr ein Ergebnis im operativen und fortgeführten Geschäft auf Vorjahresniveau erreichen - die Sonderbelastungen durch die Schmiergeldaffäre und den Konzernumbau sind dabei allerdings nicht berücksichtigt (siehe Kasten).

Aus der Überprüfung der Großprojekte drohen kaum weitere Belastungen, aus dem Verkauf der Telefonnetzwerk-Sparte SEN rechnet der Konzern dagegen mit einem "erheblichen" Verlust, wie Siemens am Mittwoch in München mitteilte. Im zweiten Quartal fielen bei SEN bereits Restrukturierungskosten von 109 Millionen Euro an.

Bereits im März hatte Siemens über die Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Großaufträgen im Kraftwerksbau, im Bahn- sowie im IT-Geschäft berichtet und seine ursprüngliche Gewinnprognose deutlich nach unten korrigiert. Konkrete Angaben hatte Löscher dabei allerdings nicht gemacht. "Wir haben nun unsere Projektanalyse im konventionellen Kraftwerksgeschäft abgeschlossen und konnten uns alles in allem ein klares Bild über die Risiken machen", erklärte Löscher laut Mitteilung. Im zweiten Quartal hätten die Belastungen durch die Probleme mit 857 Millionen Euro auf das Ergebnis gedrückt.

Noch deutlicher waren die Einschnitte beim Nettoergebnis, das von 1,259 Milliarden auf 412 Millionen Euro fiel (Prognose 410 Millionen Euro). Im fortgeführten Geschäft verdiente Siemens 565 Millionen nach 1,286 Milliarden Euro (Prognose 621 Millionen Euro). Die neun von der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten waren allerdings von einem noch größeren Rückgang auf 921 Millionen Euro ausgegangen.

Ursprünglich war Siemens davon ausgegangen, dass das Ergebnis der einzelnen Bereiche in diesem Geschäftsjahr noch einmal doppelt so schnell wächst wie der Umsatz. 2006/07 kam Siemens bei einem Umsatz von 72,5 Milliarden Euro auf ein Ergebnis der Bereiche von 6,5 Milliarden Euro.

Das Wachstum blieb dagegen intakt. Der Auftragseingang stieg von 20,850 auf 23,371 Milliarden Euro und liegt damit noch über dem vorausgesagten Wert von 22,203 Milliarden Euro. Der Umsatz legte von 18,001 auf 18,094 Milliarden Euro zu, blieb aber unter der Prognose (19,169 Milliarden Euro). Die Vergleichszahlen sind um den an Continental abgetretenen Autozulieferer VDO bereinigt.

Zugekauft hat der Konzern in der Zwischenzeit im Wesentlichen das Softwareunternehmen UGS und den Diagnostikahersteller Dade Behrung. "Wir erwarten, dass der Umsatz von Siemens im Geschäftsjahr 2008 organisch doppelt so schnell wachsen wird wie das Welt-Bruttoinlandsprodukt", bestätigte Löscher das Ziel.

Die Überprüfung von Großprojekten, die im zweiten Quartal das große Loch rissen, hat Siemens weitgehend abgeschlossen. Über die vermeldeten 857 Millionen Euro hinaus erwartet der Konzern nur noch geringe Belastungen. "In keinem der drei untersuchten Bereiche wurden zusätzliche Risiken identifiziert", hieß es.

In der Kraftwerkssparte PG, auf die der größte Teil der Belastungen entfällt, ist die Überprüfung gänzlich durch, ebenso in der IT-Sparte SIS. Nur bei der Bahnsparte TS dauert die Untersuchung an; hier hat das Unternehmen 75 Prozent des Auftragsbestands untersucht. Bei PG erwartet Siemens durch Verzögerungen in den identifizierten Projekten in den kommenden drei Quartalen noch eine Belastung in "knapp dreistelliger Millionen-Euro-Höhe".

mik/dpa-AFX/Dow Jones/Reuters

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