Misstrauen EnBW lässt Ex-Manager bespitzeln
Karlsruhe - Eine Sprecherin der EnBW wies heute den Verdacht einer Bespitzelung Golls zurück. "Die EnBW hat Herrn Goll nicht observieren lassen", sagte Petra Wöllmer. Die am Mittwoch bekannt gewordene Observierung des ehemaligen Leiters des Atomkraftwerks Neckarwestheim, Eberhard Grauf, durch Detektive sei ein "singulärer Fall" gewesen.
Damit reagierte Wöllmer auf einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten", wonach Goll offenbar über Wochen hinweg von Detektiven beobachtet wurde. Die Überwachung soll nach Informationen der Zeitung im Spätsommer 2003 begonnen haben. Goll, der in Karlsruhe wohne, habe dem Vernehmen nach eine Polizeidienststelle informiert. "Ob die Observierung im Auftrag der EnBW geschah, ist offen", schrieb die Zeitung.
Der frühere AKW-Chef Grauf war nach einem heftigen Zerwürfnis mit Vorgesetzten zunächst beurlaubt worden und danach aus dem Unternehmen ausgeschieden. Die EnBW hatte ihn nach eigenen Angaben observieren lassen, um "vorzusorgen", dass von ihm "keine gegen das Unternehmen gerichteten Handlungen initiiert oder ausgeführt werden". Das Detektivunternehmen sollte sich ein Bild von den Bewegungen und Kontakten Graufs verschaffen. Solche Prävention sei in diesem Fall geboten gewesen und entspreche üblichem Vorgehen bei entsprechenden Befürchtungen, betonte der Kommunikationschef der EnBW, Hermann Schierwater.
Das Detektivunternehmen sei in Abstimmung mit der Geschäftsleitung der Kraftwerksgesellschaft durch den EnBW-Sicherheitsdienst ausgewählt worden, hieß es weiter. Es habe seine geplante Tätigkeit vorab der örtlichen Polizei offiziell zur Kenntnis gegeben. Im Ergebnis seien keine Besonderheiten im Verhalten von Grauf festgestellt wollten. EnBW-Chef Utz Claassen sei in keiner Weise in diese Vorgänge eingebunden gewesen, betonte Schierwater.
Claassen hatte seinem Vorgänger nach seinem Amtsantritt am 1. Mai 2003 vorgeworfen, die finanzielle Lage von EnBW beschönigt zu haben.