Konzerne Mit der Knute
Wer bei Mannesmann Karriere machen will, muß auch in der Freizeit an Konzernchef Werner Dieter denken.
Auf einem Treffen mit rund 100 Führungskräften stellte der Vorstandsvorsitzende klar, was seine Mitarbeiter in der Freizeit zu tun und vor allem zu lassen haben. Und das ist eine Menge.
Er sehe es nicht gern, sagte Dieter, wenn Manager aus dem Hause Mannesmann Ski führen. Die Gefahr von Ausfällen sei zu groß. Aber auch am Golfspiel findet der gestrenge Konzernherr wenig Gefallen. Der zeitliche Aufwand beeinträchtige die Arbeit.
Die Führungsriege nahm den Kodex des Chefs stumm hin. Die Manager haben sich im siebten Jahr unter Dieter schon an manche Unbill gewöhnt.
Einige aber auch nicht. Kaum ein anderer Konzern hat eine so hohe Fluktuation von Führungskräften. Bei den Personalberatern häufen sich die Anfragen von Mannesmann-Managern, die einen neuen Job suchen.
Der asketische Dieter wollte den Umbau des einstigen Stahl- und Röhrenkonzerns in eine moderne Technologiegruppe vollenden. Doch übereilte Akquisitionen und falsche Markteinschätzungen haben Mannesmann von diesem Ziel weit entfernt.
Der traditionsreiche Düsseldorfer Konzern (24 Milliarden Umsatz, 125 000 Mitarbeiter) hängt mächtig durch. Es ist aber keine konjunkturelle Delle, die dem Konzern zu schaffen macht, die Auftragsbücher bei Mannesmann sind sogar gut gefüllt.
Bei Mannesmann liegen die Schwierigkeiten woanders - bei dem Mann an der Spitze. Mit seinem selbstherrlichen Führungsstil und einigen Mißgriffen hat Dieter, 62, seinen Konzern arg malträtiert.
Das Management ist völlig verunsichert. Teamwork ist dem schroffen Dieter fremd, er regiert mit der Knute. Nur wer sich anpaßt, hat Chancen.
Dieter führt eine der größten deutschen Publikumsgesellschaften mit 250 000 Kleinaktionären wie ein Eigentümer. Vorgänge, die anderswo auf der zweiten und dritten Ebene entschieden werden, reißt er noch an sich.
Weil sich die rüde Art bei Mannesmann herumgesprochen hat, erhält Dieter bei der Suche nach Führungskräften immer mehr Absagen. Selbst für interessante Chefposten gehen kaum Bewerbungen ein.
So suchte Dieter verzweifelt nach einem erfahrenen Manager, der die Automobilzulieferer, die Mannesmann in den vergangenen Jahren aufgekauft hat, zusammenführen kann. Schließlich mußte er sich mit Wolfgang Peter begnügen. Der war zuvor als Entwicklungschef bei Mercedes - bis sich bei der Einführung der neuen S-Klasse die Pannen häuften.
Etliche Manager sind Dieter schon davongelaufen. Erst Ende vergangenen Jahres schied Werner Stumpfe aus. Der Personalchef der Tochterfirma Mannesmann Demag wechselte in den Vorstand des Verlagskonzerns Springer.
Die Lücken werden gefüllt mit Leuten, die stramm dem Kurs des Chefs folgen. So gelten die neuen Generalbevollmächtigten als brave Zuarbeiter.
Gewundert haben sich die Mannesmann-Manager auch über die Berufung von Axel Wippermann an die Spitze der Demag. Als Chef der brasilianischen Mannesmann-Tochter in Belo Horizonte hat er über viele Jahre nur Verluste angehäuft.
Als eine Hauptstütze von Dieter gilt im Konzern Roland Mecklinger, der die Computer- und Elektronikfirma Kienzle sanieren sollte. Er schaffte es nicht; gleichwohl übergab Dieter ihm die Führung von Fichtel & Sachs.
Dort kann Mecklinger, der schon bei SEL und MBB vergebens ganz nach oben drängte, endlich Chef sein - einer wie Dieter. Er werde nun, verkündete Mecklinger kürzlich, erst einmal das Management »entsorgen«.
Dieters Vorliebe für altfränkischen Führungsstil resultiert nach Ansicht von Kritikern noch aus seiner Arbeit bei Mannesmann Rexroth. Im Alleingang hatte er die marode Hydraulikfirma im unterfränkischen Lohr saniert und sich damit für den Düsseldorfer Spitzenjob empfohlen.
Während seiner Managerzeit bei Rexroth war Dieter über viele Jahre im Präsidium der Industrie- und Handelskammer Würzburg/Schweinfurt. Mit Hans-Bernhard Bolza-Schünemann, 66, der ihn als Kammerpräsident ablöste, ist Dieter freundschaftlich verbunden. 1989 ließ Dieter ihn in seinen Konzern-Aufsichtsrat wählen.
Von dem Freund aus Franken hat Dieter Kritisches nicht zu befürchten, von den übrigen Aktionärsvertretern allerdings auch nicht. Kein anderer Konzern dieser Größe hat ein so vergreistes Kontrollgremium.
Allein fünf pensionierte Chefmanager und der Alt-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski, als Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat, sind knapp 70 Jahre oder älter. Rund 20 000 Mark bekommt jeder pro Sitzung. Der Arbeitsaufwand dafür ist erträglich, er beschränkt sich auf die Zustimmung der vom Vorstand vorbereiteten Tagesordnungspunkte.
Auch der Senior in der Runde hat viel von seinem alten Biß verloren. Dieters Vorgänger Egon Overbeck, 74, hielt noch in seiner Amtszeit die Beschäftigung von Unternehmensberatern als ein Eingeständnis von Mißmanagement.
Von Overbeck war aber kein Widerspruch zu hören, als Dieter Unternehmensberater einschaltete. Die Ratgeber haben bei Mannesmann viele Schwachstellen gefunden.
Mit den neuesten Einkäufen, so die Kritik, habe Dieter vorwiegend Umsatz angehäuft. Weil sich die Produkte der Stoßdämpferfirma Boge und des Armaturherstellers VDO kaum überschneiden, werden sich die erhofften Einsparungen auch kaum umsetzen lassen.
Die Firmen gelten als ertragsschwach und schlecht geführt. Außerdem drohen Mannesmann bei VDO Streitigkeiten mit Miteigentümern.
Das größte Desaster hat Dieter möglicherweise noch vor sich. Bis Ende dieses Jahres wird Mannesmann 1,8 Milliarden Mark in den Ausbau eines privaten Mobilfunknetzes stecken. Noch immer aber sind die weiteren Kosten nicht überschaubar, auch der Zeitpunkt der ersten Einnahmen wird sich verschieben.
Dieter muß nun sogar befürchten, daß sein Mobilfunk bald überholt sein könnte. Die Bundespost hat ein modernes System zur Entwicklung ausgeschrieben - aus Konkurrenzgründen ohne Beteiligung von Mannesmann.
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_108_ Unternehmensbereiche der Mannesmann-Gruppe
_____ / Beispiele aus den Produktionsbereichen
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