Mit Witz kontern - DER SPIEGEL
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WERBUNG Mit Witz kontern

Zwischen der Bundesbahn und dem Deutschland-Ableger des Fiat-Konzerns wird ein Anzeigen-Scharmützel ausgetragen. *
• aus DER SPIEGEL 50/1983
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Bahn-Werber wagten den Vergleich mit der Straße, um die Schiene ins rechte Licht zu rücken.

In ausgewählten Wochenblättern veröffentlichten die Reklame-Manager der Bundesbahn eine zweiseitige Anzeige, in der zum bunten Bild einer im Autosalon ausgestellten Elektrolok der knappe Text stand: »Na endlich, der Zweitwagen, den man sich leisten kann. Die Bahn.«

Schon bald meldete sich ein Auto-Verkäufer zu Wort, der einen potentiellen Zweitwagen im Programm hat. Ebenfalls per Annonce reagierte die Frankfurter Werbeagentur Lürzer, Conrad & Leo Burnett für ihren Kunden Fiat.

Auf einem Photo zeigten die Werber den Kleinwagen Panda, dahinter eine Lok, die sperrig aus der Parklücke ragt. Hinweis: »Die E-103 braucht einen Bahnhof zum Parken, der Panda (3,38 m kurz) eine 3,50-m-Parklücke.«

Die Retourkutsche kam an. Die Autobranche feixte, die Werbe-Beamten des Bundesunternehmens fühlten sich angerempelt. Bahn-Juristen erwogen, die Sache vor Gericht zu bringen. Grundlage hätte das deutsche Wettbewerbsrecht geboten,

das herabwürdigende vergleichende Werbung untersagt.

Dabei war die Bahn in der Vergangenheit nicht zurückhaltend, wenn es galt, ganz im Ernst die Nachteile der Konkurrenz von der Straße zu entblößen.

Mal war es das Wetter, von dem alle reden, nur die Bahn nicht. Ein anderes Mal wurden Auto-Urlauber in einer Anzeige verspottet: Da war ein Reisezug zu sehen, der vorbei an einem kilometerlangen Autobahnstau problemlos in die Sommerferien rauscht (Text: »Intercity schont Herz und Nerven").

Jetzt fühlten sich die Eisenbahner erstmals selbst auf die Puffer genommen. Daß sich ausgerechnet die Deutschland-Filiale des Fiat-Konzerns so munter mit der Bahn anlegt, ist kein Zufall.

Die witzig-pfiffigen Werbe-Varianten über den Kleinwagen Panda ("Die tolle Kiste") gehören zu den gelungensten Kampagnen der letzten Jahre. Die Panda-Anzeigen haben inzwischen einen festen Leserstamm.

Nur zu gern nahmen sich die Fiat-Kreativen denn auch der Bahn-Reklame an, um sie für die eigenen Zwecke zu nutzen. Helmut König, bei der Agentur Lürzer, Conrad für Fiat zuständig: »Wenn die Bahn so knackig rangeht in der Werbung, können wir das auch.«

Das sahen schließlich sogar die Reklame-Verantwortlichen des staatlichen Transport-Unternehmens ein. Juristische Schritte gegen Fiat, so hatten im übrigen die Werbe-Profis der Bahn-Agentur McCann ihre Auftraggeber gewarnt, würden nur den Spott der Branche provozieren.

Die Frankfurter Großagentur, die bereits seit Jahren die Schienen-Reklame gestaltet und dafür zuletzt 50 Millionen Mark jährlich ausgeben konnte, bekam nun Order, »mit gebotenem Witz zu kontern«.

Das geschieht diese Woche. »Wir befördern auch sperriges Reisegepäck«, steht von Donnerstag an in zweiseitigen Illustrierten-Anzeigen zu lesen. Darunter das großformatige Photo eines bahnverladenen Fiat Panda sowie Kleingedrucktes, das versöhnlich klingt. Textprobe: »Nun haben einige gute Gründe, beim Reisen auf die ihnen lieb' und teure Blechkiste nicht zu verzichten. Hier kann geholfen werden. Die Rede ist vom Autoreisezug.«

Die Werbebranche verfolgt das Anzeigen-Scharmützel wie einen Fortsetzungsroman. Amüsantes ist halt rar in der Reklame der Automobil-Hersteller.

Ob Fiat weitermacht und auf die Bahn-Anzeige dieser Woche antworten wird, ist ungewiß. Berater König: »Die Bahn hat doch den Panda groß rausgebracht. Mehr können wir nicht erwarten.«

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