Mitbestimmung: SAP wählt Betriebsrat - DER SPIEGEL
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Mitbestimmung SAP wählt Betriebsrat

Erstmals in der Geschichte des größten Softwarekonzerns in Europa wählen die Mitarbeiter eine Arbeitnehmervertretung. Zur Abstimmung haben sich mehr als 400 Angestellte aufstellen lassen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Walldorf - Beim Software-Riesen SAP beginnen heute zum ersten Mal in der Firmengeschichte Betriebsratswahlen. Ein Unternehmenssprecher sagte in Walldorf bei Heidelberg, es gebe 415 Kandidaten auf zehn Listen. Aufgerufen zur Wahl seien rund 11.000 Mitarbeiter an den deutschen Standorten des Unternehmens. Das Ergebnis wird morgen erwartet.

Seit der Unternehmensgründung 1972 hatten Vorstand und Beschäftigte eine Arbeitnehmervertretung immer wieder abgelehnt. Noch am 2. März hatten 91 Prozent der Mitarbeiter in Walldorf und St. Leon Rot einem Betriebsrat eine Absage erteilt. Anschließend erklärten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat aber, die Wahl eines Betriebsrates selbst zu organisieren. Hintergrund waren drohende Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht, mit denen die Initiatoren der Wahl möglicherweise einen Betriebsrat hätten durchsetzen können.

Vorstandssprecher Henning Kagermann sagte damals: "Wenn es einen Betriebsrat bei SAP geben muss, dann einen Betriebsrat aus unserer Mitte, der sich unserer besonderen Firmenkultur und unseren Werten verpflichtet fühlt." Es sei für das Unternehmen wichtig, dass kein fremdbestimmter Wahlvorstand per Gerichtsbeschluss eingesetzt werde, sondern dass die Mitarbeiter selbst über die Zusammensetzung des Wahlvorstands und des Betriebsrats befinden würden. SAP ist das einzige börsennotierte Großunternehmen, das bislang über keinen Betriebsrat verfügt.

tim/AP