Mitfahrdienste in China - Didi gegen Uber - DER SPIEGEL
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Mitfahrdienste in China - Didi gegen Uber Die Milliardenschlacht der chinesischen Cousinen

In keinem anderen Land der Welt wird derzeit so brutal um die Vorherrschaft bei Mitfahrdiensten gekämpft wie in China - ein Milliardenmarkt. Dieser Kampf ist auch ein Duell zweier junger chinesischer Frauen.
Didi-Logo in der Zentrale in Peking
Didi-Logo in der Zentrale in Peking

Didi-Logo in der Zentrale in Peking

Foto: © Kim Kyung Hoon / Reuters/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es stehen sich gegenüber: Der chinesische Mitfahrdienst-Platzhirsch Didi Chuxing und der amerikanische Herausforderer Uber, dessen Gründer Travis Kalanick mehrmals im Jahr nach China reist, weil er diesen Markt zur Chefsache erklärt hat.

Didi gegen Uber. Es ist mehr als nur ein gnadenloser Kampf um Marktanteile auf dem größten Markt der Welt. Es ist auch ein Duell zweier junger chinesischer Frauen.

Und - das macht das alles noch glamouröser- es ist ein familieninterner Zwist zwischen zwei Cousinen: Jean Liu versus Liu Zhen. Jean Liu ist Präsidentin von Didi Chuxing. Die Tochter ihres Onkels, Liu Zhen, ist die ranghöchste Uber-Vertreterin in China.

Jean Liu: Die Chefin des Mitfahrdienstes Didi Chuxing ist eine der mächtigsten Geschäftsfrauen in China. Ihre Cousine Liu Zhen (Uber China) ist zugleich ihre schärfste Rivalin

Jean Liu: Die Chefin des Mitfahrdienstes Didi Chuxing ist eine der mächtigsten Geschäftsfrauen in China. Ihre Cousine Liu Zhen (Uber China) ist zugleich ihre schärfste Rivalin

Foto: © Jason Lee / Reuters/ REUTERS

Jean Liu (37) ist die Tochter von Liu Chuanzhi. Er gründete Mitte der Achtzigerjahre den Computerhersteller Legend, der sich später in Lenovo   umwidmete, die Hardware-Sparte von IBM   aufkaufte und heute als einer der erfolgreichsten chinesischen Global Player gilt. Tochter Jean hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich: Studium der Computerwissenschaften an der Peking University, Master in Harvard, dann 12 Jahre Goldman Sachs, seit 2015 Chefin von Didi Chuxing. Sie gilt als Workaholic, war bei den Goldmännern stolz auf ihre 120-Stunden-Woche.

Jean Liu (Didi Chuxing) gegen Liu Zhen (Uber): Beide haben aufgerüstet

Die etwas jüngere Rivalin Liu Zhen studierte erst Jura an der Renmin Universität in Peking, dann an der University of California in Berkeley. Zehn Jahre arbeitete sie als Anwältin im Silicon Valley, beriet dort vor allen Internet-Start-ups, unter anderem auch Uber. Seit Frühjahr 2015 ist sie für Uber Direktor der China Strategy mit Sitz in Peking. Einen China-CEO hat Uber nicht.

Beide Cousinen haben in den vergangenen Monaten mächtig aufgerüstet und Milliarden eingesammelt. Zu Didis Geldgebern gehören unter anderen Chinas Internetgiganten Alibaba und Tencent, die Staatsfonds CIC (China) und Temasek (Singapur). Und kürzlich steuerte Apple eine Milliarde bei. Hinter Uber stecken chinesische Konzerne wie China Life, Citic Securities, Guangzhou Auto und der Touristikkonzern HNA. Auch ein Teil der Saudi-Milliarden, die Uber kürzlich erhielt, fließt ins China-Geschäft.

Ruinöser Preiskampf auf dem Zukunftsmarkt - und ein dritter Spieler

Warten auf Kunden: Mitfahrdienst Didi Chuxing ist Marktführer in China - und liefert sich mit Uber einen ruinösen Preiskampf

Warten auf Kunden: Mitfahrdienst Didi Chuxing ist Marktführer in China - und liefert sich mit Uber einen ruinösen Preiskampf

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Beide können die Milliarden gebrauchen, denn sie liefern sich in China einen brutalen, fast ruinösen Preiswettbewerb. Didi ist mit über 80 Prozent Marktführer in China. Aber Uber will um jeden Preis aufholen. Aber der Preis ist hoch. Uber verliert angeblich eine Milliarde Dollar im Jahr.

Aber - wer weiß - vielleicht gibt es bald einen lachenden Dritten: Das Unternehmen UCAR, das aufgrund seines guten Services immer mehr Marktanteile gewinnt. Dahinter steckt unter anderen Liu Chuanzhi, der Vater von Jean Liu und Onkel von Liu Zhen.

Eines ist damit klar: Wie immer das Rennen der Mitfahrdienste in China ausgehen wird, der Sieger kommt aus der Familie Liu.

Zur Person
Foto: Christian O. Bruch

Wolfgang Hirn ist Reporter beim manager magazin. Er reist seit 1986 regelmäßig nach China. Er schreibt seitdem über die Entwicklung des Landes. Er ist Autor des Bestsellers "Herausforderung China". Sein aktuelles Buch hat den Titel "Der nächste Kalte Krieg - China gegen den Westen".