MLP-Chefwechsel: Der Opernsänger - DER SPIEGEL
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MLP-Chefwechsel Der Opernsänger

Vertrauen soll auch in Zukunft bei MLP einen Namen haben: Uwe Schroeder-Wildberg wird wie erwartet neuer Chef. Er will den guten Ruf des Finanzdienstleisters zurück gewinnen, den sein Vorgänger Bernhard Termühlen so leichtsinnig verspielt hat.
Von Karsten Langer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Heidelberg - Der MLP-Aufsichtsrat berief den 38-jährigen Schroeder-Wildberg, 38, zum Nachfolger von Bernhard Termühlen, der vor acht Wochen seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt hatte. Firmengründer und Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger hatte Schroeder-Wildberg schon vor zwei Wochen als "heißen Favoriten" für den Posten bezeichnet.

"Uwe Schroeder-Wildberg hat in den vergangenen zwölf Monaten sein exzellentes Know-how als Finanzvorstand eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Seit Oktober hat er MLP interimistisch geleitet und dabei sowohl durch seine fachlichen Fähigkeiten als auch durch seine Persönlichkeit das Vertrauen der MLP-Berater und -Mitarbeiter erworben", erklärte Lautenschläger heute.

Unter Kollegen gilt Schroeder-Wildberg als Mann der Zahlen: Analytisch, etwas introvertiert, rational, effizient und auch konsequent, wenn es sein muss.

Dass er mit Bilanzen hervorragend umgehen kann, hat er schon in den ersten Monaten seines Daseins als Finanzchef bei MLP bewiesen: So räumte Schroeder-Wildberg mit der kreativen Buchführung seines Vorgängers radikal auf. Die Konsequenz: MLP schrieb im Februar dieses Jahres einen Verlust von 114,5 Millionen Euro. Nach dem großen Kehraus aber stimmten die Zahlen. Für das dritte Quartal verbuchte MLP einen um 84 Prozent gewachsenen Vorsteuergewinn von 14,1 Millionen Euro. In Zukunft, so Schroeder-Wildberg, soll MLP weiter zweistellig wachsen.

Unterstützung aus den eigenen Reihen

Mit solchen Äußerungen macht der neue MLP-Chef die verunsicherten Anleger und Analysten glücklich. Die Frage ist nur: kann er auch seine Kollegen, die vom Wertverfall und Vertrauensverlust gebeutelten Vertriebsmitarbeiter, vom neuen Weg überzeugen? Im ersten Moment ist er so gar nicht der Typ Vorstandschef, der zu einer hemdsärmeligen Verkäuferschar passen würde.

Deswegen, orakeln böse Stimmen aus der Finanzszene, sei er auch nicht erste Wahl für den Posten gewesen. Noch bis zum Herbst soll nach Informationen des "Handelsblatts" Manfred Lautenschläger persönlich bei großen Versicherungskonzernen nach einem gestandenen Vertriebsprofi gesucht haben. Fündig geworden ist er jedoch nicht.

Wohl auch deshalb besann sich Lautenschläger auf Vertraute aus den eigenen Reihen und erkor Schroeder-Wildberg zum Kronprinzen. Erstaunlicherweise kommt der Neue auch bei seinen Mitarbeitern gut an. Regelmäßig lässt er sich in den Geschäftsstellen blicken, auch die Junioren dürfen ihrem neuen Chef das Herz ausschütten. Bei aller Nüchternheit hat der intellektuell wirkende Betriebswirt mit der ungewöhnlichen Zusatzausbildung zum Opernsänger einen guten Draht zu seinen Mitarbeitern.

Der Betriebswirt, der bei dem Bankspezialisten Wolfgang Gerke promoviert hat, gilt in Analysten-Kreisen als kompetent. Er begann seine berufliche Karriere nach Banklehre und Studium in Mannheim und Nürnberg im Finanzbereich der Südzucker AG. An der Seite von Consors-Gründer Karl Matthäus Schmidt brachte Schroeder-Wildberg 1999 den Online-Broker an den Neuen Markt.

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