MLP Gewinn bricht weg, Zuversicht auch
Heidelberg - Die Börse hatte noch gar nicht eröffnet, da fiel schon der Kurs: Nach Bekanntgabe der neuen Unternehmenszahlen rutschte die MLP-Aktie vorbörslich um 11,43 Prozent auf 14,65 Euro ab. Gleich nach Börsenstart änderte sich das Bild: Die Aktie setzte sich in den ersten Minuten mit einem Plus von 6,82 Prozent auf 15 Euro an die Spitze der Gewinner im Dax. Das nervöse Hin und Her dürfte sich im Verlauf des Tages fortsetzen.
Zuvor hatte der Heidelberger Finanzdienstleister mitgeteilt, das Vorsteuerergebnis im Geschäftsjahr 2002 werde vermutlich nur 100 Millionen Euro betragen - nach 150,7 Millionen Euro im Vorjahr. Bereits Anfang August hatte MLP erklärt, dass das angestrebte Wachstum beim Vorsteuerergebnis von 30 Prozent im laufenden Geschäftsjahr nicht erreicht werde.
MLP betonte, eine Vielzahl von Faktoren sei für den Einbruch verantwortlich. So erwarte man ein reduziertes Neugeschäft. Beratungskapazitäten, die bisher für die Neukundengewinnung zur Verfügung gestanden hätten, würden vorübergehend eingesetzt, um Altkunden zu halten. Auch die anhaltende Kapitalmarktschwäche wirke sich negativ auf das Ergebnisziel aus. Da auch bei MLP-Kunden eine noch abwartende Haltung gegenüber "Riester-Renten" vorherrsche, seien die Ertragserwartungen aus diesem Segment nach unten revidiert worden.
Der Umsatz im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg dagegen um rund 11 Prozent auf 263,1 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum fiel der Vorsteuergewinn indes um 19 Prozent auf 28,6 Millionen Euro, nach 35,2 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Nach einer quälenden Diskussion über die Bilanzierungspraktiken könnte MLP von anderer Seite neues Ungemach drohen. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") könnte das Unternehmen die Zahl der Kunden in den Geschäfts- und Prüfberichten geschönt haben. Das Unternehmen habe nicht nur Vertragskunden, sondern auch deren Ehegatten und Familienangehörige mitgezählt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf interne MLP-Unterlagen. Danach habe der Konzern beispielsweise für das vergangene Jahr 453.017 Kunden ausgewiesen. In den internen Unterlagen würden aber nur 260.944 aufgeführt.
MLP widersprach auf Anfrage der Zeitung den Vorwürfen: Als Einzelkunden würden alle Personen gezählt, die mindestens einen Vertrag bei MLP abgeschlossen haben. Familienmitglieder ohne eigene Verträge blieben außen vor. Das Familienzählprogramm sei nur eine interne Administrationshilfe für Berater, sie diene aber nicht dem Ausweis von Vertragspersonen.
Die abweichenden Neukundenzahlen im Geschäftsbericht 2001 und in internen MLP-Unterlagen erklärte der Finanzdienstleister der Zeitung zufolge mit nicht mitgezählten Neukunden unter anderem aus dem Direktvertrieb (Internet), Neukunden im Postversand und Auslandskunden. Die Zahl der Kunden ist eine wichtige Kenngröße für das künftige Wachstum von MLP, schreibt die "FAZ". Aus der Kundenzahl werde der Unternehmenswert errechnet, mit dem auch das Wachstumspotenzial aufgezeigt werde. MLP habe Angehörige mit der gleichen Wertigkeit eingerechnet wie die Kunden mit vollem Einkommen, so die Zeitung.