MLP-Kurssturz: "Es ist ein temporäres Problem" - DER SPIEGEL
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MLP-Kurssturz "Es ist ein temporäres Problem"

Die MLP-Aktie hat am Freitag rund ein Drittel ihres Wertes verloren. SPIEGEL ONLINE sprach mit Analyst Hartmuth Höhn über Ursachen des Kursverfalls und die Zukunftsaussichten für das Unternehmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Wie kommt es dazu, dass die MLP-Aktie derzeit so stark unter die Räder gerät?

Hartmuth Höhn: Der Markt ist momentan ohnehin sehr volatil und es gibt außerdem einen Trend, insbesondere hoch bewertete Aktien zu verkaufen. Hier ist besonders der Bereich Finanzdienstleistungen betroffen. Zudem gelingt es MLP immer noch nicht, das Vertrauen der Anleger in die Ertrags- und Wachstumsprognosen neu aufzubauen.

SPIEGEL ONLINE: Was müsste hier passieren?

Höhn: Die Methode, dass man die Anleger nur nach Skandalmeldungen und dann auch nur schrittweise informiert, war sicher schädlich. Mit den Investoren muss in den nächsten Monaten klar über die Geschäftsentwicklung und die künftige Strategie gesprochen werden.

SPIEGEL ONLINE: Welche Informationen fehlen Ihnen?

Höhn: Mir fehlen vor allem Detailinformationen zu der Buchungstechnik, der Absatz- und der Gewinnsituation einzelner Produkte wie zum Beispiel der fondsbasierten Lebensversicherungen.

SPIEGEL ONLINE: Denken Sie, dass MLP die Gewinnerwartungen zurücknehmen muss?

Höhn: Wir haben unsere Gewinnprognosen für MLP auf Grund der derzeitigen Marktverfassung der Finanz- und Versicherungswirtschaft reduziert. Wir sehen momentan eine Kaufzurückhaltung der privaten Anleger bei aktienbasierten Produkten aber auch bei der Kapitallebensversicherung gibt.

SPIEGEL ONLINE: Wie gefährlich ist der Kursverfall für MLP selbst?

Höhn: Zunächst einmal wirkt sich das negativ auf das Image des Unternehmens aus, das haben wir auch schon bei der Telekom oder Infineon gesehen. Damit geht ein Teil des positiven Momentums verloren, das eine Börsennotierung mit sich bringt. Kein Anteilseigner oder Mitarbeiter sieht es gerne, wenn die Kurse nach unten gehen. Und es betrifft natürlich auch die Kommunikation mit den Kunden, wenn ein Unternehmen mehrfach negative Schlagzeilen bekommt.

SPIEGEL ONLINE: MLP hat ja heute gesagt, dass die Kursschwäche das Neukundengeschäft negativ beeinflusst. Ist das eine versteckte Gewinnwarnung?

Höhn: Eine Gewinnwarnung sehe ich eigentlich nicht, eher eine Revidierung der Wachstumsprognosen. Nach unseren Erwartungen wird das Unternehmen in diesem Jahr umsatz- und ergebnismäßig etwas um zwanzig Prozent wachsen. Das liegt natürlich unter den ursprünglichen MLP-Planungen von dreißig Prozent. Im Vergleich zur Branchensituation wäre ein Plus von zwanzig Prozent für dieses Jahr immer noch ein hervorragender Wert.

SPIEGEL ONLINE: Denken Sie eigentlich, dass MLP-Chef Bernhard Termühlen das Ruder noch herumreißen kann?

Höhn: Ich beobachte das Management von MLP seit rund zehn Jahren und denke, dass das Unternehmen sehr gut geführt wird und dass es auf den ursprünglichen Wachstumspfad zurückkehren wird. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Unsicherheit über den MLP-Kurs herrscht.

SPIEGEL ONLINE: Also denken Sie, dass die Kursschwäche nicht anhält?

Höhn: Ja, es ist meines Erachtens ein temporäres Problem. Allerdings könnte es noch etwa dauern, weil derzeit die Wachstumsperspektiven für die Volkswirtschaft nicht stimmen und die privaten Verbraucher derzeit keinen Anlass sehen, verstärkt in Versicherungen oder Aktienanlagen zu investieren.

Das Interview führte Carsten Matthäus