MLP: Schwacher Einstand im Dax - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

MLP Schwacher Einstand im Dax

Das Dax-Debüt des Heidelberger Finanzdienstleisters Marschollek, Lautenschläger und Partner (MLP) ist misslungen. Die Aktie fiel unter Vortagsniveau.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Ein Anteilsschein kostete am Nachmittag 104,50 Euro. Das ist ein Abschlag von 1,42 Prozent. Am Vormittag war das Papier zeitweilig bis auf 101,50 Euro gefallen und hatte ganz oben auf der Verliererliste des Kursbarometers gestanden. Der Dax stieg am Mittag um 0,51 Prozent auf 5793,31 Zähler.

MLP ersetzt die Dresdner Bank in der Königsklasse der deutschen Aktienindizes: Die "grüne" Bank wird nach der Fusion mit der Allianz im Amtlichen Handel weiter notiert und gab dort 0,91 Prozent auf 42,61 Euro ab.

Fonds, die den Dax oder den M-Dax abbilden, müssten nun ihr Portfolio umschichten, sagte Michael Harms, Analyst bei Delbrück & Co. Privatbankiers. Allerdings hätten viele institutionelle Anleger bereits nach der Entscheidung der Deutschen Börse, MLP in den Dax aufzunehmen, den Titel gekauft. M-Dax-Fondsmanager müssten ihre Anteilsscheine indessen loswerden. Darüber hinaus lehnten sich nun viele institutionelle Investoren zurück und warten auf die Kapitalerhöhung, die mit 40 Prozent "enorm" sei: Für Neuinvestoren würde die Aktie optisch preisgünstiger, wenn die Aktienanzahl steigt. Gleichzeitig verschwinden die Vorzugsaktien, in die vor allem britische und US-amerikanische Anleger auf Grund bestehender Anlagerichtlinien bis jetzt nicht investieren durften. Im vierten Quartal erwartet Harms deshalb "steigende Mittelzuflüsse".

Allgemeine Marktschwäche

Finanzdienstleister litten unter der allgemeinen Marktschwäche, urteilte Andreas Pläsier, Analyst bei der Berenberg Bank. Fundamental gebe es keinen Grund für die Verluste: Finanzdienstleistungen seien dank "Riester-Rente" und betrieblicher Altersvorsorge ein "boomender Markt". Für substanzielles Wachstum würden die Anleger dann auch höhere Preise bezahlen. MLP konnte bislang gute Wachstumsraten verzeichnen, und die weiteren Aussichten seien ebenfalls "sehr gut". Deshalb bewerte Pläsier die Aktie nach wie vor mit "kaufen" und gab ein Kursziel von 180 Euro aus. Es gibt kaum ein Unternehmen, das die Gewinne nach Steuern in den vergangenen Jahren im Schnitt um rund 30 Prozent gesteigert hat, erklärte auch Michael Harms.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres steigerte MLP die Konzernerlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38,5 Prozent auf über 206 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis stieg im gleichen Zeitraum um über 32 Prozent auf mehr als 18 Millionen Euro. MLP werde "auch in 2001 das Wachstum unvermindert fortsetzen", hatte Vorstandschef Bernhard Termühlen bei der Vorstellung der Quartalszahlen angekündigt.

Einfaches Erfolgsmodell

Das Erfolgsmodell der Heidelberger ist einfach: MLP sucht gezielt junge Hochschulabsolventen als Zielgruppe für den Verkauf von Versicherungen, Fonds und anderen Finanzprodukten. Nach eigenen Angaben ist MLP in Europa führend in der Beratung von Akademikern und Privatkunden. Die Unternehmensstrategie führt MLP regelmäßig zu zweistelligen Zuwachsraten und hat dem Unternehmen fünfmal die Auszeichnung als beste börsennotierte Aktiengesellschaft Deutschlands eingebracht. Aus 16 Filialen im Jahr 1988 wurden bis heute rund 250. Bis 2010 sollen es 690 Niederlassungen werden. Derzeit werden nach Unternehmensangaben rund 390.000 Kunden von gut 2200 Beratern betreut