MobilCom Aktionärsschützer fallen über Schmid her
Hamburg - Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat die Informationspolitik des Mobilcom-Vorstandes am Donnerstag heftig kritisiert. Das Telekommunikationsunternehmen zeige kein Interesse, seine realen Wirtschaftszahlen zu veröffentlichen, sagte DSW-Vertreter Dirk Unrau auf der MobilCom-Hauptversammlung in Hamburg.
Der Abschluss, der nach dem Handelsgesetzbuch einen Verlust von mehr als einer Milliarde Mark (510 Millionen Euro) ausweise, sei zu spät bereit gestellt worden. "Die Fehlinformation der Aktionäre können wir nicht hinnehmen", sagte Unrau. Er sprach sich gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat aus.
Nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IAS hatte MobilCom lediglich einen Fehlbetrag von 174 Millionen ausgewiesen. Die Kosten für die UMTS-Finanzierung waren nicht berücksichtigt worden. Es sei jedoch fragwürdig, ob Abschreibungen und Finanzierungskosten in Höhe von einer Milliarde Mark nicht bilanziert werden müssten, bemängelte Unrau. Die Summe entspräche der Marktkapitalisierung des gesamten Unternehmens.
Der Vorstandsvorsitzende verteidigte vor den Aktionären die UMTS-Strategie des Unternehmens. Es sei für ihn "überhaupt keine Frage" gewesen, auch zu sehr hohen Kosten eine Lizenz zu ersteigern. Durch den damit verbundenen Wandel vom reinen Wiederverkäufer zum Netzbetreiber in der Telekommunikationsbranche steige der Unternehmenswert "dramatisch" an, sagte Schmid.
Die Kundenzahl bei MobilCom sei im ersten Quartal 2001 auf 4,6 Millionen nach vier Millionen Ende 2000 "kräftig gewachsen". Im laufenden Jahr werde im operativen Geschäft ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erwartet. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen ein Ebitda von 22,1 Millionen Mark verzeichnet.
Er werde daran arbeiten, "dass es einen anderen Aktienkurs gibt", kündigte Schmid weiter an. Dabei würden auf Kosten eines möglicherweise etwas geringeren Marktanteilwachstums die teuren Vertriebskanäle weiter zurückgefahren. Vor allem bei den Tochtergesellschaften sollten die Kosten gesenkt werden.
Schmid äußerte sich unzufrieden über den Aktienkurs seines am Neuen Markt notierten Unternehmens. "Wir haben sehr viel Geld verloren, das ist sehr betrüblich für die Aktionäre, die Vertrauen in MobilCom gesetzt haben." Der Kurs spiegele die tatsächliche Verfassung und die Zukunftsaussichten von MobilCom keinesfalls wieder. Das Unternehmen sei "sauber finanziert" und habe mit dem Erwerb der UMTS-Lizenz "ein - zugegebenermaßen teueres - Ticket" für den Zukunftsmarkt für Mobilfunkdienste der dritten Generation gelöst.
Die Aktie des am Neuen Markt notierten Unternehmens legte am Donnerstag bis zum Nachmittag um 3,79 Prozent auf 15,34 Euro zu. Ihren Höchststand hatte die Aktie im März 1999 bei 199 Euro.
MobilCom besteht seit 1991 und hatte Ende 1999 rund 2900 Mitarbeiter. 1997 ging MobilCom als erstes Unternehmen an den Neuen Markt.