MobilCom: "Dreck auf Deutschland" - DER SPIEGEL
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MobilCom "Dreck auf Deutschland"

Aus dem Streit zwischen MobilCom-Chef Gerhard Schmid und seinem Kapitalgeber France Télécom ist eine handfeste Schlammschlacht geworden. Jetzt schaltet sich auch US-Investor Guy Wyser-Pratte ein.
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Hamburg/Büdelsdorf - Er denke an den Kauf von ein "paar Aktien" des Telekomanbieters, sagte der deutsche Geschäftspartner des US-Investors Markus Elsässer am Montag. Wyser-Pratte der mit 1,1 Prozent an dem norddeutschen Unternehmen beteiligt ist, gehe davon aus, dass die rechtliche Verpflichtung der France Télécom gegenüber MobilCom stehe.

Davon geht MobilCom-Chef Gerhard Schmid allerdings nicht mehr so ohne weiteres aus. Er wirft seinem Großaktionär vor, ihn unfair zu attackieren. Die derzeit mit 28,5 Prozent am Büdelsdorfer Unternehmen beteiligten Franzosen versuchten, rasch die Mehrheit zu erlangen, sagte der Unternehmensgründer gegenüber "Focus". Dazu scheine den Franzosen jedes Mittel recht zu sein, kritisierte Schmid. "Die France Télécom wirft mit Dreck auf Deutschland."

Der französische Telefonkonzern schlug über die Wirtschaftszeitung "Les Echos" zurück. Man lehne es ab, Bürgschaften für Kredite zu übernehmen, die Ausrüster und Banken an MobilCom   gegeben hatten. Dem Bericht zufolge hatten Nokia und Ericsson im vergangenen Jahr Kredite in Höhe von insgesamt 1,8 Milliarden Euro an MobilCom gewährt, um Aufträge im Wert von 1,3 Milliarden Euro an Land zu ziehen.

Auch für einen Kredit in Höhe von 4,7 Milliarden Euro, den insgesamt 17 Banken gewährt haben, will France Télécom keine Verantwortung übernehmen. Die vier Hauptgeldgeber dieses Kredites für den Kauf der UMTS-Lizenz sind laut MobilCom ABN Amro, die Deutsche Bank  , Merrill Lynch und die Société Générale.

"Eine formale Bürgschaft für diese Kredite durch France Télécom gibt es nicht", sagte MobilCom-Sprecher Matthias Quaritsch. Allerdings seien alle diese Kredite vor dem Hintergrund gewährt worden, dass France Télécom Teilhaberin an MobilCom sei. Das französische Telekommunikations-Unternehmen ist mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligt und damit nach Schmid (43 Prozent) zweitgrößter Anteilseigner.

Der US-Investor Wyser-Pratte, der mit 1,1 Prozent an MobilCom beteiligt ist, legte für den Fall einer Übernahme schon einmal den Preis fest. Laut "Les Echos" fordert er 200 Euro pro Aktie von der France Télécom. Dies entspreche dem Kursniveau vom März 2000, als sich der französische Konzern erstmals an MobilCom beteiligt habe. Bis zum frühen Nachmittag ist die MobilCom-Aktie um 16,61 Prozent auf 14,35 Euro gestiegen.

Die France Télécom hatte in der vergangenen Woche angekündigt, Schmid wegen eines umstrittenen Aktienverkaufs notfalls zu verklagen. Die Franzosen werfen Schmid vor, ein Aktienpaket seiner Frau Sibylle Schmid-Sindram aus der MobilCom-Kasse finanziert zu haben. "Die France Télécom will von ihren Schuldenproblemen ablenken", kommentierte Schmid die Drohung. Das Unternehmen hatte im vergangenen September bei Vorlage der Halbjahresbilanz einen Schuldenstand von 64,9 Milliarden Euro ausgewiesen.

Ursprünglich hatte sich der Streit zwischen MobilCom und der France Télécom an der Finanzierung des UMTS-Netzes entzündet. Schmid hatte seinen Großaktionär zur Einhaltung seiner Finanzierungspflichten gedrängt. Schmid will allein bis Ende 2003 gut 1,4 Milliarden Euro in den Netzaufbau stecken. Die France Télécom hatte mit Hinweis auf ihre hohen Schulden die Finanzierung hinauszögern wollen. Bereits in der vergangenen Woche hatten einige Analysten jedoch vermutet, dass der Streit um die UMTS-Finanzierung nur vorgeschoben sei und es tatsächlich um die Übernahme der Kontrolle bei MobilCom gehe.