MobilCom: Entscheidung im Schulden-Gerangel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

MobilCom Entscheidung im Schulden-Gerangel

Im Ringen um die Umschuldung hat der Pleite-Kandidaten MobilCom offenbar wieder ein wenig Zeit gewonnen. Der französische Großaktionär will seine Anteile angeblich komplett abstoßen - und im Gegenzug erreichen, dass die Banken den Deutschen heute fällige Milliarden-Kredite stunden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris/Büdelsdorf - Wie das "Handelsblatt" berichtet, erwägt das französische Staatsunternehmen, seine MobilCom-Beteiligung von 28,5 Prozent an die kreditgebenden Banken zu veräußern. Die Banken wiederum sollten die Kredite über 4,7 Milliarden Euro, die am Montag fällig werden, zunächst stunden und dann teilweise erlassen.

Falls die Banken einwilligen und die Mobilcom-Aktien übernehmen, würden sie die Anteile zu einem späteren Zeitpunkt in einer Zweitplatzierung an die Börse bringen. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf MobilCom-Unternehmenskreise. MobilCom-Aufsichtsrat Dieter Vogel hält sich zu Verhandlungen derzeit in Paris auf.

Die Verträge, die diese Einigung festzurren könnten, seien von den Gremien noch nicht paraphiert worden, so das "Handelsblatt" weiter. MobilCom-Sprecher Matthias Quaritsch wollte auch noch nichts von einer Lösung wissen. "Ich erwarte am Montag die endgültige Entscheidung", sagte er.

Kommt die Einigung nicht zustande und werden die Kredite nicht gestundet, muss MobilCom voraussichtlich Insolvenzantrag stellen. Das Unternehmen wird zurzeit durch eine staatliche Hilfe von 50 Millionen Euro am Leben gehalten. Vorstandsvorsitzender Thorsten Grenz hat vor zwei Wochen eine Sanierung angekündigt, die 1850 der insgesamt 4200 Vollzeitarbeitsplätze kosten soll. Noch sind aber keine Kündigungen ausgesprochen. Kommt die Sanierung nicht in Gang, hat MobilCom kein Recht auf ein zugesagtes, zweites staatliches Darlehen.

Nach Ansicht von Firmenkennern ist eine Gesamtlösung über die Schulden nur möglich, wenn zusammen mit der Kreditfrage auch die Zukunft des Noch-Großaktionärs Gerhard Schmid geklärt wird. Schmid verlangt mehr Geld für seine Firmenanteile, als sie zurzeit an der Börse wert sind. Am Freitag stieg der Mobilcom-Kurs um rund 50 Prozent auf 2,10 Euro, das Jahreshoch hatte bei rund 27 Euro gelegen.