MobilCom Erneutes Zittern um tausende Arbeitsplätze
Düsseldorf - Die Tragfähigkeit des Konzeptes sei durch ein Gutachten von Deloitte & Touche bestätigt, teilte der vom MobilCom-Aufsichtsrat und der Bundesregierung mit den Verhandlungen beauftragte Dieter Vogel am Freitag mit.
Allerdings blockiere Firmengrüner Gerhard Schmid "die Rettung des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze", so Vogel, weil er die Zustimmung zu einem Treuhänder verweigere. Außerdem wolle Schmid ein Schuldanerkenntnis über 71 Millionen Euro nicht unterschreiben, wie der Unterhändler in seiner ersten öffentlichen Erklärung mitteilte.
Laut Vogel ist die MobilCom-Großaktionärin und Verhandlungspartnerin France Telecom SA, Paris, bereit, die Lasten des UMTS-Engagements zu tragen. Der französische Telekom-Konzern übernehme die Kreditverpflichtungen gegenüber Banken, Lieferanten und Gesellschafterdarlehen von rund sieben Milliarden Euro, erklärte Vogel. Für die Sanierung des angeschlagenen Unternehmens wolle ein Konsortium aus staatlichen und privaten Banken 162 Millionen Euro zur Verfügung stellen und dadurch 3000 Arbeitsplätze retten.
Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" muss Mobilcom am Montag Insolvenz , falls es nicht zu einer Einigung kommt. Der staatliche 50-Millionen-Euro-Kredit sei aufgebraucht. Ein Mobilcom-Sprecher lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab. Wie die Zeitung weiter berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft Kiel gegen Schmid wegen des Verdachtes der Konkursverschleppung. Die Behörde war am Freitag nicht mehr zu erreichen.
Wie Vogel mitteilte, stellen das Land Schleswig-Holstein und der Bund ihre Bürgschaften aber nur bereit, wenn Schmid und seine Frau ihre 50-Prozent-Beteiligung an Mobilcom an einem unabhängigen Treuhänder übertragen, damit sie in der Zeit der Sanierung keinen Einfluss auf die Firma nehmen können, etwa bei Hauptversammlungen. Dem Treuhänder müssen der Staat, die Banken, France Telecom und Schmid zustimmen. Außerdem soll Schmid eine Schuld gegenüber Mobilcom von 71 Millionen Euro aus einem umstrittenen Aktienoptionsgeschäft anerkennen. Schmid blockiert laut Vogel die Rettung, weil er sich nicht auf den Treuhänder einlassen will, den alle anderen Beteiligten akzeptieren, den Rechtsanwalt Reinhard von Dalwigk. Auch das Schuldanerkanntnis will Schmid nicht unterschreiben.
Unterdessen hat wegen auffälliger Aktienverkäufe von Mobilcom-Papieren das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht Ermittlungen aufgenommen. Es bestehe der Verdacht des Insiderhandels, sagte eine Sprecherin in Bonn. Dabei gehe es um Geschäfte vor der Veröffentlichung einer Ad-hoc-Meldung im März.