MobilCom Goldener Handschlag für Schmid?
Paris - France Télécom würde damit der französischen Zeitung "La Tribune" zufolge freie Hand bei der Führung des deutschen Mobilfunkunternehmens erhalten. Nachdem das Tischtuch zwischen den Partnern zerschnitten sei, suche die France Télécom jetzt nach Mitarbeitern bei MobilCom, die eher zu einer Zusammenarbeit im Sinne der Franzosen bereit seien. Ein Sprecher von MobilCom wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren.
Seit einigen Wochen streiten die beiden Unternehmen über die Finanzierung des UMTS-Netzes. Die hoch verschuldeten Franzosen wollen die Investitionen dazu zeitlich strecken. Schmid auf der anderen Seite besteht auf Erfüllung der vertraglichen Vereinbarungen. Bon hatte ihm seinerzeit in einem Zusatzpapier die Übernahme der Kosten für den Ausbau des UMTS-Netzes nach eigener Regie zugesichert und damit praktisch einen Blanko-Scheck ausgestellt.
Zudem streiten die Beteiligten darüber, wie der Kauf von vier Millionen Aktien durch die Ehefrau von Mobilcom-Chef Schmid, Sybille Schmid-Sindram, zu beurteilen ist. Dazu erarbeitet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand ein Gutachten.
Doch in der Auseinandersetzung scheint Schmid inzwischen in die Defensive geraten zu sein. Denn auf einen längeren Rechtsstreit kann Schmid sich nicht einlassen - bis zum Juni müssen die Verhandlungen über die Anschlussfinanzierung eines 4,7 Milliarden-Euro-Kredits abgeschlossen sein. Die Banken aber verlangen dafür Sicherheiten der France Télécom.
Während eines möglichen Verfahrens aber wäre die Wirkung des von Michele Bon unterschriebenen Papiers suspendiert. Schmid verliert damit die wichtigste Trumpfkarte in der Auseinandersetzung um die richtige UMTS-Strategie - aber auch um die Macht bei MobilCom.
Die Bereitschaft Schmids, sein MobilCom-Aktienpaket zu verkaufen, könnte in dieser Situation die letzte Rettung für die hoch verschuldete Telefongesellschaft bedeuten. Denn wenn die France Télécom die Regie in Büdelsdorf übernehmen könnte, wäre sie auch zur Übernahme der finanziellen Verpflichtungen bereit.
MobilCom müsste sich unter solchen Bedingungen allerdings darauf einrichten, dass das Programm zum Ausbau des UMTS-Netzes auf das gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmaß zusammengestutzt wird. Ein Teil der Investitionen hoffen die Franzosen auch durch Kooperationsverträge mit anderen Mobilfunkanbietern einsparen zu können.