Mobilcom-Hauptversammlung Schmid schlägt wieder zu
So habe sich Mobilcom von Handy-Verlustkunden getrennt, bei den Restrukturierungskosten bereits 24 Millionen Euro "endgültig gespart" und die gesetzten Zielvorgaben beim Ebitda "übererfüllt". Lediglich beim Umsatz gebe es eine negative Abweichung. Grenz: "Da müssen wir dran arbeiten."
Mit dem Problem Gerhard Schmid, Mobilcom-Gründer, Großaktionär und scharfer Kritiker von Mobilcom-Vorstand und -Aufsichtsratschef, sei weniger das Unternehmen beschäftigt als die Staatsanwaltschaft in Kiel. Untreue oder Kursmanipulation seien die Gründe dafür, dass gegen Schmid ermittelt werde, hatten unterschiedliche Medien in den Vortagen berichtet.
Grenz: "Wenn ich das persönlich beurteilen sollte, ist mit einer Anklageerhebung zu rechnen." Der Hamburger Rechtsanwalt Jan Wilhelm, der die private Insolvenz Schmids verwaltet, trat auf der Hauptversammlung nicht auf.
Schmid: "Ich habe keine eigenen Aktien"
Gegen 14 Uhr, in der zweiten Fragerunde, kündigte Aufsichtsratschef Dieter Vogel "Herrn Schmid" als Redner an. Als dieser sich vor dem Mikrofon postierte, strömten Fotografen in den Versammlungsraum, die allerdings umgehend von Vogel des Saals verwiesen und von Sicherheitskräften wieder hinausgeleitet wurden: Foto-Verbot im nichtöffentlichen Teil der Hauptversammlung. Schmid begann seinen Redebeitrag mit der Bemerkung: "Ich habe keine eigenen Aktien."
Er spreche im Auftrag seiner Ehefrau und Aktionärin Sybille Schmid-Sindram. Vorher hatte Vorstand Grenz auseinander dividiert, dass das Aktienpaket von Schmid - mehr als ein Drittel - zwar wirtschaftlich zum privaten Vermögen von Schmid zähle, rechtlich aber Ex-RTL-Chef Helmut Thoma zuzurechnen sei.
Thoma ist als Treuhänder für die Aktien von Schmid eingesetzt. Er hat nach eigenen Angaben bisher noch keine Aktie verkauft, plane aber, zumindest einen Teil ("Millenium-Paket") bis Jahresende zu veräußern.
"Als schnuckeliger Wohlfühlkonzern keine Zukunft"
Zügig nahm die Rede von Ex-Vorstandschef Schmid Fahrt auf. Zu dem Vorwurf, er habe für die UMTS-Lizenz zuviel Geld - etwa 16 Milliarden Mark - bezahlt, sagte er: "Das mag aus heutiger Sicht tatsächlich ein Fehler gewesen sein. Aber ich hatte einen Finanzvorstand, der mir damals ausgerechnet hatte, ich könne bis zu 18 Milliarden Mark bieten, ohne das Unternehmen zu gefährden."
Zudem hätte auch der Aufsichtsrat der Gebotshöhe zugestimmt. Finanzvorstand neben Schmid war während der UMTS-Versteigerung der heutige Mobilcom-Chef Grenz.
Wo bleiben die Inder?
Schmids nächster Punkt: Ein umstrittenes Aktienoptionsprogramm, für dass aus dem Mobilcom-Bestand 70 Millionen Euro an die Millenium-GmbH flossen. Während das Mobilcom-Management wiederholt erklärt hatte, dass Schmid die Details zu diesem Geschäft ohne Wissen anderer Beteiligter festgemacht habe, sagte Schmid: "Es fließen keine 70 Millionen Euro aus dem Unternehmen, ohne dass der Finanzvorstand dies nicht verhindern könnte."
Schließlich forderte Schmid einen radikalen Umschwung in der Unternehmenspolitik. "Das Geschäft als Serviceprovider ist ein Auslaufmodell", sagte er. Als Makler von Handy-Verträgen habe man mit geringen Margen und "kraftvollen Wettbewerbern" zu kämpfen. Für die angepeilte Fokussierung auf lukrative Kunden reiche ein Image als "schnuckeliger Wohlfühlkonzern" nicht aus. Schmid unterstrich damit, dass er die Zukunft von Mobilcom als UMTS-Betreiber sieht.
Was Vogel in der Seele weh tut
Als möglichen Investor hatte der Unternehmensgründer die indische Hinduja-Gruppe vor einigen Wochen ins Spiel gebracht. Diese hat nach Angaben von Vorstandschef Grenz eine Frist zur Abgabe eines tragfähigen Angebots für die Lizenz und die UMTS-Technik von Mobilcom jedoch verstreichen lassen.
Schmid kritisierte, dass die Hinduja-Verantwortlichen als Reaktion auf ihr Kaufinteresse "lediglich ein fünfzeiliges Fax" erhalten hätten. "Da wäre ich doch sofort in den Flieger gestiegen und hätte mich mit den Verantwortlichen persönlich getroffen", so Schmid.
Die UMTS-Phantasie ist aus Schmids Sicht zentral für Mobilcom: "Ich will, dass der Kurs wieder steigt und dass ich und die Aktionäre wieder Geld verdienen", resümierte er.
Aufsichtsratschef Dieter Vogel reagierte sichtlich betrübt: "Es tut immer wieder in der Seele weh zu hören, wie ein Hauptaktionär die Existenzberechtigung seines Unternehmens bezweifelt."